Freitag, 26. Dezember 2025

Mein bisher schönstes Chanukka

Da Chanukka nun jetzt auch vorbei ist, dachte ich, schreibe ich mal über mein bis jetzt schönstes Chanukka. Bis jetzt, jedenfalls. 

Das war das Chanukka 2018 beziehungsweise 5779, und hier muss ich wieder sagen dass 5779 eines der besten Jahre überhaupt war. Es war auch das letzte normale Jahr vor der Pandemie. 

Menora im Rathaus von Kopenhagen

Es fing aber schon am Samstagabend vorher für mich an. Ich bin nach der Havdala über Ballerup nach Vanløse, und von Vanløse aus in die Innenstadt gereist, da ich zu einer Pre-Chanukka Feier im Gemeindehaus sollte. Es war ein sehr schöner Abend. 


Dreidel-Schmuck im Gemeindehaus 

Am nächsten Tag bin ich dann spät am Nachmittag wieder in die Stadt gefahren, und habe dann in der Großen Synagoge den Feiertag eingeleitet, und es dann am darauffolgenden Abend wieder gemacht, da an dem Abend die große von Chabad gehaltene Feier am Rathausplatz stattfinden würde. 

Chanukka am Kopenhagener Rathausplatz 

Innerhalb der Großen Synagoge am zweiten Abend Chanukka - das wohl schönste Foto dass ich je in der Synagoge gemacht habe 

Es war ein sehr, sehr schöner Abend am Rathaus, auch als wir drinnen gegessen haben - dieses Mal nicht im Empfangssaal, sondern da wo normalerweise Treffen stattfinden und so. 

Am nächsten Tag reiste ich nach Lolland, weil wir in derselben Woche nach Berlin reisten. Dass dies das zweite Mal in Berlin zu Chanukka sein würde, war mir noch nicht aufgefallen. 

Chrein - sehr schwer in Dänemark zu finden 

Koscheren Großeinkauf. 

Das erste was wir in Berlin machten war der Einkauf im koscheren Supermarkt in Wilmersdorf. Da kauften wir auch einige Gläser Gefilte Fisch - wenn es billiger ist als in Dänemark ist, muss man halt zugreifen.  

Danach machte ich mir einen schönen Tag, nachdem alle unsere Sachen in der Wohnung abgelegt waren. 

Irgendwann fand ich mich wieder am Brandenburger Tor, wo ich zum ersten Mal seit 2013 wieder die große Menora sah. 

Chanukka 5779 am Brandenburger Tor 

Erst da fiel mir auf, wie sehr sich mein Leben seit Chanukka 2013 zum besseren gewendet hatte, und das ich jetzt ein ganz anders Leben lebte, ein Leben, nachdem ich mich gesehnt habe. Und es war sehr schön daran zu denken, dass ich jetzt als Jude da stand. 

Danach machte ich mich auf zur Oranienburger Straße, um dort bei Hummus & Friends zu essen. 

Israelischer Salat 
Dort war auch eine Menora an. 

Die Schamasch war gerade am ausgehen...

Danach ging ich raus und bewunderte wieder die Neue Synagoge. Ich werde wirklich nie müde, diesen Ort zu fotografieren. 



Am Tag darauf war ich wieder da, weil ich eine Ausstellung im Centrum Judaicum besuchte 


In der U-Bahn Station habe ich da auch wieder die Fotos vom Wiederaufbau bewundert. 








Zurück in der Wohnung habe ich dann die Menorot angezündet. 


Am nächsten Tag war ich dann am Fernsehturm, und war dann wie oben erwähnt in der Neuen Synagoge um im Centrum Judaicum eine Ausstellung zu besuchen. Danach fuhr ich zur Topografie des Terrors um eine Ausstellung über die Kristallnacht zu besuchen, die jedoch irgendwie nichtssagend war. 



Ich habe dann noch an dem Nachmittag die Chanukkakerzen angemacht, und machte mich dann auf zur Synagoge Rykestrasse. 


Das Waschbecken 




Kurz vor dem Kabbalat Schabbat wurde dann am Pult mit Kindern die Menora angezündet, und es klang so schön, als alle mit dem Kindern das Maoz Tzur gesungen haben. Allein dieses Erlebnis machte dies zu einen von den Gründen, weswegen ich dieses Chanukka als mein bestes bis jetzt bezeichne. 

Am nächsten Morgen war ich dann zum Morgengebet wieder in der Rykestrasse, und am Abend nach der Havdala habe ich mich dann auf Geschenkejagd zum Kurfürstendamm gemacht. 








Der Anblick vieler Menorot am Kurfürstendamm machte mich so glücklich. 

Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach Dänemark - aber am Weg zurück hatten wir einen schönen kurzen Stopp in Wismar. 

Ich war bis zu dem Tag noch nie in Wismar  - ich hatte diese Stadt bisher nur von weitem gesehen. 





Wismar hat irgendwie zu mir durchgedrungen; ich weis nicht wirklich, warum. Als ich dann im darauffolgenden Sommer Murnaus Nosferatu (1922) als Teil einer schriftlichen Prüfung sah, konnte ich mehrere Orte Wismars wiedererkennen. 

Nach ein Paar Stunden in Wismar sind wir jedenfalls wieder weiter nach Puttgarden zur Fähre gefahren. 

Wieso bleibt mir gerade dieses Chanukka so sehr in Erinnerung?

Ich glaube es hat was damit zu tun, weil ich da zum ersten Mal nach sehr langer Zeit wieder mit so gut wie allen in mein Leben zufrieden war, und ich mir einige schlechte Angewohnheiten abgewöhnt hatte. Und auch, weil ich anfing, einigen Leuten langsam den Rücken zu kehren, da deren Gesellschaft mir nicht gut tat. 

Mir ging es jedenfalls sehr gut - und es ist auch eines der Gründe, weshalb ich das Jüdische Jahr 5779 so sehr vermisse. Es war einfach alles gut - und das nicht nur, weil es das letzte normale Jahr war, bevor Corona es alles zerstört hat. 

Mir selbst geht es gerade jetzt fiel besser als zu Anfang diesen (gregorianischen) Jahres. Und ich sehe G"tt sei dank ein Licht am Ende des Tunnels. 

Mittwoch, 26. November 2025

Ein Jahr ohne DSDS

 

Ja, einer der Highlights der Staffel 2014, sondern überhaupt - und es ist zudem kein Zufall, dass dieses Bild hier ist.
Nun denn, dieses Jahr ist das erste Jahr seit beginn der Castingshow, dass da absolut keine Staffel von Deutschland sucht den Superstar lief. 

Es war schon sehr, sehr bizarr, als letztes Jahr im Frühjahr 2024 keine Staffel zu sehen war, stattdessen wurde sie im Herbst - auch sehr, sehr gekürzt - gesendet. Letztes Jahr war zudem das erste Mal, wo ich das Finale nicht gesehen habe. Das lag aber nur daran, weil ich in den Staaten war. 

Zuerst hieß es ja, dass RTL das mit der Herbststaffel so fortsetzen wollte - aber als schon Ende September keine Staffel lief, hatte ich so meine Zweifel. 

Und da bekam ich die Ahnung, dass RTL bemerkt hat, wie schlecht diese ach so verkürzte Herbststaffel letztes Jahr angekommen ist, und es dann still wieder im Frühjahr auszustrahlen. 

Da habe ich heute dann mal nachgelesen, und meine Vermutung stimmte - bereits im Juli hat RTL verkündet, dass es wieder im Frühjahr sein würde. 

Dann ist ja alles wieder beim alten. Sollte man jedenfalls denken. 

Nun, es ist wie oben genannt kein Zufall dass das Meme von Melisa Omeragic zu sehen ist. Damals ging die anscheinend von RTL bezahlte den Juror Kay One an, weil dieser Bushido verraten hatte, und das gerade nachdem diese ein Lied von Bushido verhunzte. Es soll hier gesagt werden, dass sowohl kurz vor der Ausstrahlung als auch während der Ausstrahlung der Staffel immer und immer wieder von Kay Ones Ausstieg aus Bushidos Clan-Milieu im Vorjahr 2013 eingegangen, und als Melisa ihn da anging, war Kay Ones Gesicht wirklich voller Angst. 

Wohin will ich hier gehen?

Naja, Bushido sitzt in der neuen Jury. Und das ist nicht nur seltsam angesichts seiner Geschichte mit dem Ex-Juroren, sondern auch jetzt nachdem Pietro Lombardi wegen häuslicher Gewalt in den Medien war und deswegen aus der Sendung rausgeflogen ist. Das war unter anderen mit der Begründung, dass RTL keine Lust mehr auf Kriminelle hat, so wie in der Vergangenheit einige Kandidaten deswegen rausgeflogen sind wegen verschwiegener Vorstrafen. Man bedenke an der Staffel 2022, wo Florian Silbereisen ein vier Augen Gespräch mit einem Kandidaten hatte, kurz bevor dieser entlassen wurde. 

Und Bushido selber?

Der hat ja voll die absolute kriminelle Vergangenheit, um es mal Milde auszudrücken. Ja, jetzt gibt er sich seit einigen Jahren als "veränderter Mensch", seit er dank seiner Frau nun (laut eigener Aussage) endgültig aus diesen Milieu der Clans ausgetreten ist, aber dennoch finde ich diese Wahl von RTL ziemlich fragwürdig. Wie so vieles.  

Und da es anscheinend in dieser kommenden Staffel nur drei in der Jury sind, ist die Ballermann-Sängerin Isi Glück. Keine Ahnung wer die ist, ist allerdings nicht das erste Mal, dass eine mir sehr unbekannte auf einmal in der DSDS Jury sitzt. 

Wenn all das gesagt ist, muss ich aber auch das hier sagen:

Die Staffel von 2023 war eigentlich nicht all zu schlecht - und im Vorjahr wurde uns ja vorgegaukelt, dass dies die letzte DSDS-Staffel überhaupt sein würde, aber ich hatte ja schon die Vermutung, dass dies nur eine PR-Aktion war, um wieder Einschaltquoten zu kriegen. Und ich hatte recht

Die Staffel fühlte sich zum ersten Mal seit 2014 an, wie es sein sollte - man lernte die Kandidaten wirklich gut kennen, und es war ziemlich unterhaltsam. 

Naja - wir werden sehen, wie DSDS 2026 sein wird, nach einem ganzen Jahr ohne DSDS. 

PS - dieser KI-Scheiss von RTL zu diesen Spendenmarathon letzte Woche war wirklich gruselig:

KI!Dieter Bohlen als KI!Kind 

Montag, 24. November 2025

Ein Spaziergang im Juli 2016

Ich habe ja schon vor vier Jahren schon Mal geschrieben, wie der Juni 2016 der wohl seltsamste Monat meines Lebens war. 

Die Plantage 

Aber ich möchte hier von einem Tag Anfang Juli desselben Jahres sprechen, dass an das Schlüsselereignisses des vorherigen Monats anknüpft - meiner Beschneidung in Göteborg, der Brit Mila. Nur um noch etwas zusammenzufassen, was nach der Beschneidung an sich geschah, so sind wir am Tag danach zurück nach Dänemark gefahren, und ich wurde in meiner Wohnung in Albertslund abgesetzt, und ich durfte danach 4 Tage lang nicht duschen. Das war das schlimmste an der ganzen Sache, denn ich muss jeden Tag duschen, da ich mich sonnst vor mir selbst ekle. 

Am Tag nach der "Dusch-Quarantäne" bin ich noch ziemlich frühmorgens aufgewacht, und bin schnell die Treppen runtergelaufen als währe es Weihnachten, und habe geduscht. Kurz darauf packte ich mein Koffer und bin dann - nach einen kurzen Besuch bei der deutschen Botschaft in Østerbro - nach Lolland gefahren. 

Am nächsten Tag wollte ich dann einen Spaziergang gehen, an einem Weg wo ich zu dem Zeitpunkt seit dem Sommer 2012 nicht mehr war. Es war Plantagevej ("Plantagenweg"), es war mir erst da aufgekommen, wie lange es zu dem Zeitpunkt her war. Es war der Weg zum Strand von Frejlev, ein Strand der kein Badestrand ist sondern für Boote etc. 

Einer der Bauernhöfe auf dem Weg zum Strand von Frejlev 

Als ich weiter an dem Weg runterging, sah ich, dass ein Haus dass mal dort war abgerissen war. Als ich zum letzten Mal da war, war dieses Haus verlassen, und damals bin ich sogar reingegangen und sah dass da noch mehreres im Kühlschrank war. Ja, das war ziemlich ekelerregend. Aber jetzt war das Haus ganz weg. 

Das war sehr seltsam. 

Eines, worauf ich mich an dem Tag riesig freute, war das wiedersehen mit der Kirschbaumplantage nahe dem Wasser - das war eines der schönsten Orte dort, es sah so Märchenhaft und otherworldly aus, und das vor allem im Frühling oder Sommer. 

Nun denn, ich ging ja weiter. 

Blick zum Wald 

Aber bei den Plantagen angekommen, musste ich feststellen, dass die meisten von ihnen weg waren - sie waren einfach abgeholzt worden, und mit Ährenfeldern und Kornfeldern ersetzt worden. Die einzigen Plantagen die zurückblieben waren zwei Apfelplantagen. 







Es war schon seltsam - und traurig - zu sehen, wie der schönste Teil der Plantagen jetzt weg war. Ich bin dennoch durch die Apfelplantagen gegangen und habe die Schönheit des Ortes genossen, und habe Fotos gemacht. 

Dann machte ich mich in Richtung Strand. 





Am Strand angekommen, musste ich an alle die Male denken, in der ich als Kind da war - das letzte Mal wo ich so wirklich regelmäßig dorthin ging oder fuhr war mit 16, im Sommer 2010. Vor allem im Sommer war es immer schön - aber ich musste auch wieder feststellen, wie sehr dieser Strand verwilderte. So war die Brücke noch immer dieselbe von 2009, und die war nun auch noch unsicherer als damals. 

Zuckerrüben 




Blick nach Falster 


Aufgenommen von der Brücke aus, mit Ausblick nach Fuglsang 

Ich musste auch denken wie der Sommer 2010 auch in der Zeit war, in der ich wusste, dass ich zum Judentum konvertieren wollte - und nun stand ich da, sechs Jahre später, und war eine Woche vorher beschnitten worden, und einen Monat später würde ich endlich vor dem Beit Din stehen. Das war ein sehr, sehr seltsames Gefühl in dem Moment. 


Das ganze hatte auch irgendwie etwas ziemlich melancholisches an sich. Wie die Zeit so vergangen war, war auch seltsam - gerade mal 3 Jahre waren vergangen, seit ich mit dem Gymnasium fertig war, an einem Zeitpunkt, wo ich sehr gerne den Gijur beginnen wollte, aber noch fernab jeglicher Jüdischen Gemeinde war. 

Eines der seltsamsten Erlebnisse über dieses Zeitverhältnis, war dieses:

Im späten Februar 2014 war ich auf einem Tagestrip nach Næstved, wo ich zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder etwas auftaute, und wo alles woran ich dachte, der Wunsch zum umziehen nach Kopenhagen, und eine Israelreise. Aber dann, ein ganzes Jahr später, im März 2015, war ich dabei, mein erstes Purim zu feiern - an sich war ja nicht so viel Zeit vergangen. Aber dennoch konnte mein Leben zwischen diesen zwei Zeitpunkten nicht komplett verschiedener sein. In der Zeit war ich nach Kopenhagen gezogen, hatte mein Studium begonnen, meinen Gijur begonnen, und die Dinge fielen langsam da, wo sie sollten. 

Und da, an diesen Tag im Juli 2016, waren schon zwei Jahre vergangen, und ich war meinem Ziel so nah wie noch nie. 

Einige Tage später flog ich dann für den Rest des Monats nach Israel. Das war ein fantastischer Sommer. 

Und wenn das gesagt ist, so vermisse ich die Mitte der 2010´er - da war alles viel einfacher. 

Sonntag, 2. November 2025

Die Secondhandläden von "Udkantsdanmark"


Am Bahnhof von mit Aufsicht zu den Gleisen Richtung Kopenhagen und mit dem Krankenhaus im Hintergrund, Februar 2014 
In Dänemark nennt man alles außerhalb von Kopenhagen und deren größerer Umgebung (auf dänisch "Storkøbenhavn") "Udkantsdanmark", soll heissen, "Ausserhalbdänemark", oder die Aussenbezirke Dänemarks. Eine hässlichere Bezeichnung ist "den rådne banan", oder die "verfaulte Banana", da dort angedeutet wird, dass alles ausserhalb von Kopenhagen, Aarhus und Aalborg verrottet, da die vielen Kleinstädte und Dörfer mehr oder weniger aussterben. 

Ich bin ja selber in "Udkantsdanmark" aufgewachsen, da die Inseln Lolland und Falster wirklich oft in der Diskussion aufkommen, da dort so viele Geschäfte schliessen, weil die Kundschaft ausbleibt, und weil die meisten jungen Leute wegziehen (gerade nach Kopenhagen, Aarhus, Aalborg oder sogar Odense), sind die Mieten die niedrigsten im ganzen Land. 

Brunnen in Nørre Alslev, einer kleinen Stadt auf Falster, Spätfrühling 2014 

Aber gerade über Lolland und Falster will ich heute nicht schreiben. 

Stattdessen eher über Städte wie Næstved, Kalundborg und Ringsted, die alle drei auf Sjælland liegen und somit auch etwas dichter an Kopenhagen liegen, und dennoch zeigen wie weit entfernt diese Städte von Kopenhagen und alles was die Stadt verkörpert ist. 

Und da vor allem die Secondhandläden. 

Warum gerade die Secondhandläden? 

Weil die Secondhandläden mehr oder weniger die Geschichte und Entwicklung dieser Städte im Laufe der Zeit wiedergeben. 

Diese Läden sind meistens entweder vom Roten Kreuz, der Heilsarmee oder gewöhnliche Antiquariate oder Antiquitätenhändler, und manchmal sogar eine Mischung aus allen. Ja – diese Secondhand-Läden und Antiquariate in Städten wie Ringsted, Kalundborg, Slagelse oder Nykøbing Falster sind wie Zeitkapseln der verlorenen Moderne. Sie bewahren die Atmosphäre des Dänemarks der 1980er und 1990er Jahre, das einst optimistisch, bescheiden wohlhabend und kulturell selbstbewusst war – sich heute jedoch abgeschottet anfühlt, wie ein Standbild aus einem anderen Land.

Alte deutsche Broschüre in einem Antiquariat in Kalundborg 

Die Bücher sind oft ins dänische (und hier und da ins schwedische oder norwegische) übersetzte Romane die oft in zwei Volumen rauskamen - damals waren viele in der Mittelschicht Abonnenten von Buchklubs, wo sie diese so zugeschickt bekamen. Die Leserschaft verschwand langsam als das Digitale Zeitalter einbrach, und so findet man diese Bücher jetzt in diesen Läden. 

Aber nicht nur die Bücher sind ein Teil dieser Attraktion. 

Da ist immerhin auch die Musik - und dabei nicht nur Schallplatten. Nein, auch CDs aus der Frühzeit der CD, und es sind oft Alben von Tina Turner, den Simple Minds, Sko/Torp, Sissel, Bruce Hornsby and the Range, Vaya Con Dios....alle sitzen sie auf demselben Regal, Überbleibsel einer anderen Ära. 

Ah, erinnert sich noch jemand an damals, wo Dan Browns "Da Vinci Code" überall im Trend war, um 2006? Maeve Binchy ist auch eine typische Gestalt in diesen Regalen 

Sagt schon einiges, dass E. L. James "Fifty Shades"-Reihe auch eines Tages da sein würde, platziert neben John Irving. 

Und wie man hier oben sieht, so sind die Namen, die man heute auch so oft in diesen Läden sieht, die von Dan Brown, E. L. James, aber auch Stephenie Meyer und andere Autoren, die wegen einer Verfilmung ihrer Romane voll im Gespräch waren. 

Wobei man bei Dan Brown bedenken muss, jetzt gibt es ja mehrere Antiquariate und Secondhandläden, die seine Romane - aber vor allem den "Da Vinci Code" - nicht mehr annehmen, da einfach zu viele Exemplare davon sind. 

So kommt es bestimmt auch bald mit Meyers Twilight-Romanen oder E. L. James´ "Fifty Shades"-Reihe, die witzigerweise als Twilight-Fanfiction anfing. 

Aber auch Bestsellerautoren wie John Irving, Maeve Binchy oder Barbara Cartland sieht man auch dort. 

Und hier und da steht da noch das Provinztheater - hier in Nørre Alslev, Spätfrühling 2014 

Warum ich das alles schreibe?

Weil ich das ganze irgendwie faszinierend finde. Man sieht nicht nur, wie die Konsumkultur sich verändert hat, sondern auch wie diese kleinen Secondhandläden in der dänischen Provinz zu kleinen "Kulturmuseen" der Mittelschicht geworden sind. Gerade jetzt sind sie eine Mischung aus dem, was zwischen den späten 70´ern und den 90´ern waren (natürlich mit viel älterer Glasware und anderes richtig Antikes), aber inzwischen kommen schon Elemente aus der Mitte der 2010´er. Das ist, wie schon gesagt, ziemlich faszinierend. 

Dort steht die Welt stehen. Man sieht, wie die Namen der Großen, wie sie damals waren, auf den Regalen, während die Welt draußen weitergeht.

Und wenn das gesagt ist, bei meinem letzten Tagestrip nach Kalundborg fand ich im dortigen Antikvariat die erste dänische Übersetzung von Tewje dem Milchmann:

Übersetzt - anscheinend, wie ich hörte, aus dem deutschen - vom damaligen dänischen Oberrabbiner Marcus Melchior. 

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Die Geiseln sind frei - und der Krieg (anscheinend) vorbei

 

"#Bring_Them_Home_Now" Installation bei Unter den Linden in Berlin, Mai 2025 

So, am vergangenen Montag sind die letzten (lebenden) Geiseln endlich nach zwei Jahren Gefangenschaft befreit worden. Es dauerte für mich - obwohl ich es schon Morgens gelesen hatte - tatsächlich mehrere Stunden, bevor ich tatsächlich realisierte, dass es tatsächlich passiert ist, nach zwei Jahren des Horrors. 

Ich bin einfach nur glücklich. Sonnst habe ich keine weiteren Wörter dafür, wie ich es beschreiben kann. 

Letzte Woche, kurz vor Beginn des Laubhüttenfestes, habe ich auf Instagram einige Fotos und Videos gesehen, die am 7. Oktober 2023 entstanden sind. Gemacht sowohl von der Hamas selbst als auch von israelischen Zeugen. Man vergisst halt leider oft, was genau an dem Tag passierte, und vor allem die Videos sind genau so schreckenerregend und grauenhaft wie damals. Stell dir vor, du wachst diesen Morgen auf und du siehst, wie die Hamas selbst durch die Straßen fährt. Und schlimmeres. Ich rede hier von Dingen, die ich am liebsten nicht hier wiedergeben möchte. 

Wenn ich daran denke, wie die Hamas, nach all diesen schrecklichen Sachen, behauptete, sie seien hier das Opfer, wird mir schlecht. Man bedenke auch, dass noch am selben Tag, egal ob in Kopenhagen, Malmö, Oslo, Berlin, London, Leute mit der Palästinenserflagge auf die Strasse gingen um das ganze zu feiern. Denn gerade das war es, was sie taten - sie haben nicht gegen den Krieg zu demonstriert (immerhin war zu dem Zeitpunkt noch kein israelischer Panzer in Gaza), sie haben das ganze abgefeiert. Und eine BLM-Fraktion in den USA brauchte sogar die Ikonografie des Windgliders der aus Gaza kam um den Tag zu feiern. 

Letztes Jahr berichtete ich hier auch über die Reaktion über die Rettung von vier der Geiseln in einem "Flüchtlingslager". 

Und anscheinend gilt der Krieg jetzt für beendet. 

Allerdings fehlen noch die Leichen weiterer ermordeter Geiseln. 

Ich bin jedenfalls froh, dass die lebenden jetzt frei sind. 

Montag, 29. September 2025

Und schon ist es 5786...

 

Detail vom in weiß-gekleideten Toraschrank in der Machsike Hadas 

Oy vey, und schon wieder ist ein Jahr vergangen. 

Nun sind wir im Jahr 5786, und ich hoffe einfach nur, dass es ein gutes Jahr wird. 

Rosch Haschana war ich beide Tage in der kleinen Synagoge, Machsike Hadas, und war nur zuhause, um Nachts zu schlafen, denn ich war sehr oft zuhause bei anderen zum Essen eingeladen. Und wenn das gesagt ist, man spürt wirklich irgendwann, dass das Morgengebet fast 5 Stunden dauert - ist trotzdem eines meiner Lieblingsfeiertage. 

Das letzte Jahr war wirklich so lala, aber um einiges besser als das Jahr davor. 

Ich hoffe dass ich dieses Jahr wieder so oft verreisen werde, wie vor der Pandemie. Das hoffe ich für mich selbst am meisten. Das, und dass ich bald aus dem bürokratischen System, in dem ich feststecke, befreit werde. 

Und dann hoffe ich auch, dass der Krieg in Gaza bald vorbei ist, dass die letzten Geiseln befreit werden, und dass die Hamas endgültig besiegt wird. 

Ich hoffe einfach darauf, dass es ein gutes und gesegnetes Jahr für uns alle wird. 

Bitte lass den Winter enden....

  Frederiksberg im Schnee Ich muss sagen, dieser Winter ist bis jetzt ein sehr kalter gewesen - erst in den letzten Tagen ist es etwas wärme...