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Montag, 2. März 2026

Chameini ist Tod, was jetzt? - oder, Purim 5786

 

Bei der Vor-Purimfeier im Jüdischen Gemeindehaus 

Samstagmorgen, soll heissen, am Schabbat Zachor - den Schabbat vor Purim - hat Israel und die USA den Angriff auf das Mullahregime im Iran gestartet. Ich habe den Moment herbeigesehnt, auch weil das iranische Volk in den letzten zwei Monaten die Welt darum angebettelt hat. Ich glaube auch, dass dies der einzige Weg ist, um das iranische Volk von dem barbarischen Regime zu befreien. Auch wenn man weis, dass die Milizen die das Regime gegen das Volk anwendet, fast allesamt Schergen aus dem Irak, Libanon, Afghanistan und anscheinend auch Pakistan besteht. 

Am Abend nach Schabbatausgang war ich dann auf dem Weg zu einer Vor-Purimfeier im Jüdischen Gemeindehaus, als ich zuerst hörte, dass der Ajatollah Chameini Gerüchten zufolge schon beim ersten Anschlag am Morgen umgekommen ist. Bestätigt wurde dies dann einige Stunden später. 

Aber jetzt wo dieses Monster aus dem Weg ist, muss man sich um den Rest des Regimes kümmern, und es zerschlagen. 

Dieses Regime verdient es nicht, zu existieren. 

Ich hoffe jedenfalls dass der Rest des Regimes bald ganz weg ist. 

Aber schon die Tatsache, dass Chameini weg ist, ist schon eines der grössten Purimwunder der letzten Jahre, wohl seit dem Tod Stalins zu Purim 1953. 

חג פורים שמח

Purim 2019 in Kopenhagen 

Donnerstag, 12. Februar 2026

Zwei verschiedene Tage, zwei verschiedene Leben - mehr oder weniger

 

Der Ausblick von der Brücke am Bahnhof in Næstved, Februar 2014 

Ich habe schon einmal - und danach mehrfach angedeutet - wie sehr ein Tag wo ich eine Tagesreise nach Næstved unternahm mir sehr viel bedeutete, aber auch mein erstes Purim im Jahr darauf. 

Mir ist erst vor kurzen aufgefallen, wie diese beiden Tage miteinander verbunden sind, trotz der Umstände. 

Im Februar 2014 wohnte ich noch bei meinen Eltern auf Lolland. Ich sehnte mich so sehr nach einem Neuanfang, nicht um weg zu kommen, und auch nicht nur wegen des Studiums - auch weil ich endlich den Gijur anfangen wollte. An dem Morgen waren meine Eltern schon vor Sonnenaufgang aufgebrochen, auf in den Urlaub in die Türkei. 

Chang übergab sich an dem Morgen. Ich machte es wieder sauber. 

Ich hatte schon seit mehreren Tagen diesen Tagestrip nach Næstved geplant. Ich hatte seit dem geplatzten Kibbuz Trip nach Israel gemerkt, dass ich mich nur beim Reisen am Leben fühle. Und somit waren diese Tagestrips nach Næstved in der Zeit so das einzige, was einer richtigen Reise nachkam, wo ich mich wenigstens so fühlte, als sei ich unterwegs. 

"Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer", von Alex Capus. Im vorherigen Herbst am Flughafen in Wien gekauft, las ich in im Zug nach Næstved. Allerdings wurde ich erst fertig mit ihn im Frühling 2016. 
Nachdem die tägliche Wiederholung von Richterin Barbara Salesch fertig war, packte ich meinen Rucksack, und fuhr mit der Mofa zum Bahnhof in Nykøbing Falster. 

Im Zug angekommen, machte ich es mir bequem, und las in "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer", von Alex Capus. Ich konnte dann aufatmen. 

Ich genoss die Aussicht auf die wechselnde Landschaft - wo mein Favorit die Brücke nach Vordingborg ist.  

In Næstved angekommen kam ich wie gewöhnlich zuerst auf die Brücke, wo ich die Aussicht gen Norden genoss. Ich schaute auch auf das Krankenhaus in Næstved, worüber ich vor kurzen schrieb (ein anderer Tagestrip zwei Monate später in dem Jahr). 

Ich kaufte dann drei Bücher im Buchladen am Axeltorv, den es heute nicht mehr gibt, und dann ging ich runter zum Susåen Park am Bach, den ich zum Wald folgte. 

Damals war dieser Campus eine lokale Universitet - jetzt ist sie ein Kommunengebäude 

Ich weis noch immer nicht, was auf der kleinen Insel im Bach mal war 

Das hier macht mich irgendwie glücklich

Auch das 

Als ich im Wald ankam, setzte ich mich nach einer Weile auf einen Baumstamm. Und da fiel mir dann wirklich auf, dass diese Zeit auf Lolland nun wirklich bald vorbei ist und es sich jetzt nur um Monate handelte. Und ich dachte da zum ersten Mal ganz lebhaft daran, wie ich in Kopenhagen leben würde. Wie ich in die Synagoge gehen würde, zu Events oder anderes im Jüdischen Gemeindehaus gehen, wie mein Campus der Universität aussehen würde - ich hatte zu diesen Zeitpunkt nämlich wirklich absolut keine Ahnung, wie es aussehen würde. Das würde ich erst im Spätsommer sehen, ein Paar Wochen vor meinem Umzug. 

Als die Zeit kam, machte ich mich dann auf dem Weg zum Chinesischen Restaurant am Susåen, wo ich das Sushi da sehr genoss. 

Und danach machte ich mich dann auf den Weg zum Bahnhof, und als ich am Abend dann zuhause war, schaute ich dann Türkisch für Anfänger - letztendlich ein ziemlich vergesslicher Film. 

Am nächsten Tag machte ich mich dann Abends auf den Weg nach Nykøbing, weil ich da eine lokale Vorstellung des Broadway Musicals Rent sah - ein Freund von mir spielte mit. Das war...nicht sehr gut. Aber ein Abend an dem ich gerne zurückdenke. 

Vignette vom darauffolgenden Abend in Nykøbing 

Und nun ein Jahr später. 

Blumen vor der Großen Synagoge in Kopenhagen, ein Monat nach dem Terroranschlag 

März 2015. Ich war seit dem vorherigen Spätsommer wirklich in Gange mit dem Gijur-Prozess, und freute mich nun auf mein erstes Purim. Jetzt hatte ich ja schon die Hohen Feiertage und Chanukka erlebt, und jetzt freute ich mich auf Purim - das Buch Esther fand ich bis dahin auch schon immer sehr faszinierend. Aber jetzt sah ich es mit anderen Augen - auch nachdem ich im Unterricht im Gemeindehaus gelernt hatte, dass es das älteste Zeugnis des Wort "Jude" ist, dass dort zu finden ist. 

In der Zwischenzeit war ich auch in der Kunst des Fastens mehr oder weniger beherrscht. Ich hatte bereits zu Jom Kippur 2013 in Tel Aviv gefastet (ohne in der Synagoge zu sein), dann nach dem Umzug nach Kopenhagen 2014 zu Zom Gedalja und zu Jom Kippur wieder - und nun war das Taanit Esther, das Fasten der Esther, dran. 

Um die Zeit totzuschlagen, ging ich ins Nationalmuseum. Das war damals gratis. 

Antiker Kopf im Nationalmuseum 

Ich hatte seit meinem Umzug nach Kopenhagen schon mehrere Spaziergänge dort gehabt - allerdings war dieses einer der, an denen ich mich am meisten Erinnere, auch weil es am Vorabend von Purim war. Ich kam dann kurz vor Schließung raus, und machte mich auf dem Weg zur Synagoge, wo ich auch das Antiquariat bei Strøget besuchte, auf dem Weg dahin. 

In der Synagoge bei der Vorlesung des Buch Esther, März 2015 

Und es war ein Rausch, als das Buch Esther vorgelesen wurde. Und der Lärm, wenn Hamans Name genannt wurde. Ein Erlebnis an das ich mich immer erinnern werde. 

Nun denn. Am nächsten Tag machte ich mich auf dem Weg nach Ryparken, wo die Jüdische Schule, Carolineskolen, sich damals befand. Es war mein erstes Mal dort. Und ich trug die echten bayrischen Lederhosen, die ich extra für den Zweck online bestellt hatte. 

In der alten Sporthalle der Carolineskolen wurde die Feier gehalten. 

Es war ein sehr schöner Tag. Ich saß bei einem Tisch mit Freunden aus der Gemeinde, und es war einfach so unbeschreiblich gemütlich. Es wurde auch das Buch Esther vorgelesen. Natürlich mit viel Krach jedes Mal wo Hamans Name genannt wurde. 

Und dann...war es vorbei. Und somit spürte ich zum ersten Mal diese Melancholie, die nach jeder Purimfeier kommt. 

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Abend, als ich bei der S-Bahn Station Ryparken wartete, und das ganze verarbeitete. An dem Tag sah ich auch zum ersten Mal die Silhouette von Grundtvig Kirke, die große Kirche in Bispebjerg - damals dachte ich, es sei ein Mormonentempel. 

Und ein ein halb Wochen später verstarb dann meine Großmutter. 

Und jetzt fragt ihr euch sicher, was haben die zwei Tage mit einander zu tun?

Man muss bedenken, dass da zwischen den beiden Tagen ein Jahr liegt. 

Ein Jahr, und mein Leben zwischen diesen Tagen hätte unterschiedlicher nicht sein können - und ich finde es so seltsam, gerade an den Punkt zu denken. An den einen Tag im späten Februar 2014 sehne ich mich so sehr nach einen Neuanfang, und den Wunsch endlich den Gijur anzufangen. Ein Jahr später lebe ich dann dieses Leben, studiere Hebräisch an der Universität Kopenhagen, und das Leben das ich vorher lebte ist irgendwo im Schatten. Ein Jahr ist immerhin im großen Bild keine allzu lange Zeit - und dennoch war mein Leben nun ganz anders als vorher. 

Es waren also schon zwei verschiedene Leben, die ich lebte. 

Die Zeit ist wirklich ein sehr seltsames Ding. Und sie fliegt wirklich. 

Sonntag, 23. März 2025

Kleines Update

 

Dämmerung über Bispebjerg 

Hier nur ein kleines Update, um ein Lebenszeichen zu geben - mir geht es gut, und es geht auch in meinem Praktikum, und ich sehe so langsam das Licht am Ende des Tunnels. 

Es ist in den letzten Wochen auch so vieles passiert - nichts dramatisches, aber dennoch viel um zu sagen, dass ich viel zu tun hatte. 

Der nordische Frühling ist so unberechenbar wie immer - aber in den letzten Tagen war es meistens sonnig. Aber dennoch ziemlich kalt. 

Bis jetzt hat es aber noch nicht geschneit, aber das kann ja noch kommen - März und April hier oben sind wirklich sehr unberechenbar wenn es um das Wetter geht. Immerhin hatte ich ja ein ziemlich Weißes Pesach in Stockholm vor zwei Jahren - das beste Pesach ever. 

Ich hatte auch ein ziemlich gutes Purim, und wurde auch ziemlich betrunken - aber so soll es halt sein! 

In der Großen Synagoge als Purim begann 

Das Buch Esther 

Purim im Chabadhaus 

Aber jetzt wo Purim vorbei ist, kann man sich so langsam auf Pesach vorbereiten. Ich werde schon diese Woche so langsam mit dem Putzen dafür anfangen. 

Donnerstag, 21. März 2024

Das Fasten

 

Accessoires zum Opiumrauchen, China, 19. Jahrhundert, im dänischen Nationalmuseum

Heute ist es das Taanit Esther, soll heißen, das Fasten von Esther. Es ist ein kleiner Fastentag, der vor dem Purimfest kommt, und dieses Jahr fällt er heute, da Purim dieses Jahr Samstagabend anfängt. Und es ist ein kleiner Fastentag, da er kurz vor Sonnenaufgang anfängt und dann eine Stunde nach Sonnenuntergang endet. 

Ich habe mich schon vor Jahren an das Fasten gewöhnt - aber das erste Mal werde ich nie vergessen. Es war zu Jom Kippur 2013 in Tel Aviv, und obwohl ich mich damals nicht traute in eine Synagoge zu gehen, so fastete ich trotzdem. Denn irgendwann musste ich immerhin damit anfangen. Das war, trotz der Hitze, ein Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke. 

Es war nicht viel los am Dizengoff Springbrunnen zu Jom Kippur 2013 

Kein Mensch 



Die Stille am Ben-Gurion Boulevard 

Die Atmosphäre in der Stadt an dem Tag war etwas ganz besonderes. Keine Autos fuhren an dem Tag in den Straßen, und es war so unglaublich Still in der Stadt, und das ist für Tel Aviv etwas ganz ungewöhnliches. Ich ging durch die Straßen der Stadt und an der Promenade entlang, und es waren fast keine Menschen draußen. Am Abend gab es dann zum Fastenbrechen ein Buffet im Hotel Leonardo, wo ich damals wohnte. 

Das würde ich nicht vergessen, und damals hatte ich keine richtige Ahnung, dass Jom Kippur mein Lieblingsfeiertag werden würde. 

Als ich nach Kopenhagen zog und meinen Gijur anfing, lernte ich dann von all den kleineren Fastentagen - und der erste war dann Tzom Gedalja, ein Fastentag der direkt nach Rosch Haschana kommt, und kann als eine Art Vorbereitung zu Jom Kippur angesehen werden. Und das war dann das erste Mal, wo ich für so einen kleinen Fastentag vor Sonnenaufgang aufstand um etwas zu essen und zu trinken, und dann war ich für den Rest des Tages bereit. Zu Jom Kippur in der folgenden Woche hatte ich dann in der Synagoge ein richtiges spirituelles Erlebnis, und somit wurde es zu meinem Lieblingsfeiertag. 

Dann kam mein erstes Purim - und ich verbrachte den Tag des Fastens damit, im Nationalmuseum die Zeit totzuschlagen, und das habe ich dann vier Jahre später so wiederholt

Ein Schrecken im Nationalmuseum, 2015 

Es war wohl auch der Zeitpunkt, wo ich spürte, wie leicht mir das Fasten nun fiel. Zwei Jahre vorher, wo ich noch in den letzten Monaten vom Gymnasium war, hätte ich mir das ganze nicht vorstellen können, obwohl ich damals schon fest daran hielt, zum Judentum zu konvertieren so bald ich zu einer Gemeinde gezogen war. 

Wie seltsam wie sich die Dinge ändern. 

Generell finde ich es zum Beispiel wie die Zeit tatsächlich verläuft - im obengenannten Beispiel, wo ich im März 2015 fastend durch das Nationalmuseum ging, waren nur zwei Jahre vergangen seit ich mit dem Gymnasium fertig wurde - und gerade im März 2013, begannen wir damals alle, uns langsam auf die letzten Prüfungen vorzubereiten. Und zwei Jahre später zu gerade dem Zeitpunkt hatte ich schon angefangen, Jüdische Feiertage zu feiern. 

Ein weiteres Beispiel wäre der Spätherbst 2015, wo ich in eine größere Wohnung innerhalb desselben Viertels zog - und ein Jahr zuvor, im späten Februar 2014, lebte ich noch auf Lolland und sehnte mich nach mehr. Ich finde es einfach so seltsam daran zu denken, wie wenig Zeit zu dem Zeitpunkt vergangen ist, mein Leben aber in dem Zeitpunkt sich so grundlegend verändert hatte. Ich war ja so glücklich, und ich bin heute noch dankbar, dass es alles gelungen ist. 

Und gerade aus dieser Dankbarkeit ist es mir auch so wichtig, selbst bei solchen kleinen Fastentagen wie der heutige, zu Fasten. 

Ich finde, es fühlt sich einfach richtig an. 

Sonntag, 17. März 2024

Purim kommt - wie jedes Jahr

 

Das Buch Esther

So, wie jedes Jahr fängt nun bald wieder Purim an - aber dieses Jahr etwas später, da dieses jüdische Jahr (5784) ein Schaltjahr ist, wo wir zwei Adar-Monate haben. Somit fällt Purim dann im Monat Adar 2. 

Ich habe einige Zeit lang immer gedacht, dass jüdische Schaltjahre der Art was gutes an sich haben, aber das letzte Mal vor zwei Jahren war das Jahr ziemlich enttäuschend für mich. 

Aber naja, man weis ja noch nicht was noch kommen wird. 

Das Purimfest wird oft mit grossen Wundern verbunden, allen voran das Wunder der Errettung der Juden im Persischen Reich dank Königin Esther. Aber auch andere Wunder außerhalb des Datums von Purim werden oft als "Purim" genannt, wie die Niederschlagung des antisemitischen Fettmilch Aufstandes von 1614 in Frankfurt am Main. 

Ein sehr großes Wunder das zu Purim geschah, war zu Purim 1953 als Josef Stalin starb. 

Ich hoffe dieses Jahr allerdings auf ein anderes Wunder - dass der Krieg in Gaza bald vorbei ist, dass die Geiseln nachhause kommen und die Hamas endgültig besiegt ist. 

Es ist schon 6 Monate her, seitdem die Hamas den Krieg begann bei der Invasion und dem Schrecken von 7/10. 

Und ich "liebe" es, wie alle die Gestalten, die seit Monaten nach einem Waffenstilstand rufen, es immer von einer Linie rufen, die es von Israel erwartet. Aber nie die Hamas. Denn die Hamas ist anscheinend ein Non-Issue, die Geiseln sind es anscheinend auch, und an allen sind die Juden schuld. 

Ich frage mich, wie diese Gestalten reagieren, wenn die Hamas endlich zerschlagen ist und wie Hitler und Stalin auf einer Müllhalde des Amaleks liegen. 

Ich hoffe dieses Jahr wirklich so sehr auf dieses Wunder. 

Montag, 6. März 2023

Stalins Tod, 70 Jahre später

 


Heute Abend ist Purim, endlich. 

Und gestern sind es genau 70 Jahre her, seitdem Stalin gestorben ist. Der Tod von Stalin war ein Purimwunder, der wohl schlimmeres verhindert hat, da Stalin in der Zeit eine antisemitische Kampagne, die Ärzteverschwörung, führte. 

Ich möchte hier nur meine Gedanken dazu schreiben. 

Der Stalinismus gilt alt erster großer Personenkult des 20. Jahrhunderts, und gilt vielen als eine Art Standard für das, was kommen würde. Die Zeit des Stalinismus war auch ein riesiger Alptraum, vor allem in den Jahren ab der großen Säuberung 1937. 

Und dann war da auch Stalins Antisemitismus - so schickte er den Liebhaber seiner Tochter in die Verbannung, und hat ihr noch vorgeworfen, warum sie sich denn gerade in einen Juden verguckt hatte - und dann kam die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo Stalin sich als großer Retter der Opfer des Faschismus präsentierte. Ab 1948 fing es an, mit der Ermordung des legendären jiddischen Schauspielers Solomon Michoels, und darauf kam die Nacht der ermordeten Dichter, dass das Ende der Jiddischen Literatur in der Sowjetunion markierte. 

Und dann kam letztendlich die Ärzteverschwörung.

Was mich fasziniert, ist die Tatsache, dass sehr viele Menschen heute vergessen haben, was für ein Monster Stalin war. Viele kommen dann immer mit dem Argument, dass Stalin "die Nazis besiegte", und man deswegen am liebsten nichts zum Stalinismus sagen sollte, egal wie schlimm die Taten Stalins waren. Ich kann dieses Argument um G-ttes Willen nicht ernst nehmen. Für den Großteil des Krieges verschanzte Stalin sich in seiner Datscha, und tauchte erst wieder auf, als klar wurde, dass die Sowjetunion den Krieg gewinnen würde. 

Mal abgesehen davon, gab es ja auch eine kurze Zeit, wo Stalin mit Hitler einen Pakt schloss, und ebenfalls in Polen einmarschierte. Aber das haben die Leute auch vergessen. 

Und mal abgesehen davon, macht das ganze Argument vor allem keinen Sinn, wenn man an die antisemitischen Kampagnen denkt, die drei Jahre NACH dem Krieg anfingen. 

Da fällt das ganze Kartenhaus zusammen. 

Wir schulden Stalin nichts. 

Und in diesen Tagen, wo Russland noch immer diesen Krieg in der Ukraine führt, hat Putin dafür gesorgt, dass Stalin in Russland selbst wieder schön in Mode ist. 

Faschisten halt. 

Heute Morgen sah ich außerdem auf Twitter, wie ein deutscher Kommunist einen Post tweetete, in der er den 70. Jahrestag von Stalins Tod trauerte - und auf seinem Profil stand in der Beschreibung auch "gegen Antisemitismus" - was für ein Witz. 

Und ich sage noch einmal: von allen Formen des Antisemitismus, finde ich den linken Antisemitismus am meisten faszinierend. 

Mir ist außerdem aufgefallen dass die Kommunisten von heute entweder die ganzen schrecklichen Taten Stalins leugnen, oder sagen, dass die Leute, die Opfer von ihn wurden, "es verdienten". 

Ich kann den Kommunismus nicht ausstehen. 

Jedenfalls:

יִמַּח שְׁמוֹ וְזִכְרוֹ

Ein Restaurant in Washington DC feierte den Tod Stalins mit gratis Borscht

Ach ja, und außerdem: 

חג פורים שמח! 

Donnerstag, 16. Februar 2023

Purimgedanken

Purim steht wieder vor der Tür, und ich freue mich schon wieder darauf. Gestern schrieb ich ja über meine Gedanken und Eindrücke zum 8. Jahrestag der Terroranschläge in Kopenhagen, und beim schreiben wurde ich dann auch darüber erinnert, wie ich am Tag nach Dan Uzans Beerdigung dann im Chabadhaus zum ersten Mal einen Kochkurs besuchte - und dort ging es um Hamantaschen, da Purim vor der Tür stand. 

Es war eine schöne Abwechslung nach all den Eindrücken der Tage zuvor. Und ich erlebte dann auch zum ersten Mal, wie die Polizei nun 24/7 am Chabadhaus war, und in der Zeit waren sie dann meist im Keller, wo die Garderobe vorher war (und nun wieder ist, da die Polizei nun andere Quartiere bekommen haben). 

Ich hatte vorher noch nie einen koscheren Kochkurs besucht, und freute mich - hier muss ich auch sagen, dass obwohl ich das kochen an sich liebe, hatte ich nicht mehr wirklich gekocht, seit ich im vorherigen Spätsommer nach Kopenhagen gezogen war, da meine Küche sehr klein war und es nicht viele Möglichkeiten zum kreativen Kochen gab. Also freute ich mich schon sehr darauf. 

Es war auch ein recht schöner Spätwinterabend: 

Østerport in der Dämmerung 



Damals lag die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in dem Gebäude - jetzt liegt sie in einem hässlichen Hochhaus in Nordhavn 

Østerbro ist generell ein sehr schöner Stadtteil am Abend 

Im Chabadhaus angekommen ging es sofort los mit dem Kochkurs. Es fing an mit der Erklärung darüber, was Kaschrut eigentlich ist, und dann einen Hintergrund über den Ursprung der Hamantaschen. Und dann ging es mit dem backen los. 



Bevor es in den Ofen kam...

Fertiggebacken....

Es war ein wirklich gemütlicher Abend - dennoch hatte ich an dem Abend keinen al zu grossen Hunger, und deswegen gab ich die Hamantaschen die ich gebacken habe dem Polizisten im Keller. 

In der darauffolgenden Woche hatte ich dann mein erstes Purim, und es war so wunderbar. 

Im Nationalmuseum beim fasten - dieses Gesicht vergisst man nicht 

Und nun, springen wir sieben Jahre in die Zukunft, ins Jahr 2022. 

Denn da gab es in Kopenhagen zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie ein richtiges Purimfest, so wie es sich gehört. 

Ich bin dann wieder, so wie 2015 und 2019, ins Nationalmuseum gegangen, um die Zeit während des Fastens totzuschlagen. 

Die Säulen an der Seite des Nationalmuseums in den Farben der ukrainischen Farbe 

Am Eingang zum Nationalmuseum 

Ein Kronleuchter aus dem 18. Jahrhundert 

Indische Wasserpfeife 

Nachdem ich im Nationalmuseum war, ging ich dann langsam in Richtung Synagoge, und vertrieb die Zeit da um beim Antiqvariat bei Strøget vorbeizuschauen, bis ich dann kurz vor Beginn des G-ttesdienstes bei der Synagoge war. 

Für Spenden 

Ah, die Große Synagoge Kopenhagens...

Aus dem Buch Esther 

Es wurde zum ersten Mal seit 2019 zu Purim aus der Torah gelesen - in den Jahren 2020 und 2021 waren da nicht genug Männer anwesend, die gefastet haben 

In der Synagoge dauerte es dann eine kleine Weile, bis alle Leute auf ihren Plätze waren, und dann konnte der G-ttesdienst an sich anfangen. Daraufhin wirkte folgendes wie ein Wunder - zum ersten Mal seit 2019 waren da genug Männer anwesend, die gefastet haben, damit die Torah aus dem Schrank genommen und daraus vorgelesen wurde. Ich habe den Torahschrank aufgemacht. Es fühlte sich großartig an. 

Und natürlich wurde viel Krach gemacht, sobald beim Lesen des Buch Esther der Name Haman erwähnt wurde. 

Nach dem G-ttesdienst wurden im Gemeindehaus zum Fastenbrechen wieder Hotdogs serviert, und es fühlte sich so gut an - danach ging ich mit einer Freundin ins Chabadhaus, wo eine Purimfeier war. 

Am nächsten Tag ging ich wieder - zum ersten Mal seit 2020 - zur Jüdischen Schule, um dort mit den Vorbereitungen zur Purimfeier dort zu helfen. Es ging alles sehr gut, und es fühlte sich einfach nur wieder gut an, zum ersten Mal seit 2020 wieder so etwas mitzuerleben. 






Es gab dann auch vor dem Essen ein recht witziges Erlebnis - es fehlten noch mehrere Flaschen Wasser, also wurde mir und einem jungen Chabadnik einen kleinen Ziehwagen und etwas Geld gegeben, damit wir beim Supermarkt die Straße hinunter Wasserflaschen zu kaufen. Und kaum waren wir an der Straße, fing es an zu regnen. Es fühlte sich schon etwas seltsam an, Lederhosen zu tragen und offen Kippa zu tragen - aber naja, es war ein Erlebnis. Als wir dann bei der Kasse standen, wurden wir gefragt, ob wir so wegen St. Patricks Day gekleidet waren - wie gesagt, das war ein Erlebnis! 

Nachdem die Feier auf der Jüdischen Schule vorbei war, ging ich wieder zum Chabadhaus, da dort dann auch eine kleinere Feier war. 




Es war einfach wieder so schön, wie ein richtiges Purim zu erleben, ohne jeglichen Corona-Einschränkungen wie in den Jahren zuvor. 

Ich hoffe, das kommende Purim wird wieder so schön. 

Kony 2012 - was war das?

Ja, ich erinnere mich noch sehr gut an den Frühling 2012 Es war im Frühjahr 2012, da schickte eine Freundin von mir ein Video, mit der Besch...