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Donnerstag, 26. Februar 2026

Bitte lass den Winter enden....

 

Frederiksberg im Schnee

Ich muss sagen, dieser Winter ist bis jetzt ein sehr kalter gewesen - erst in den letzten Tagen ist es etwas wärmer geworden, was man vor allem am schmelzenden Schnee spüren kann. 

Vor einigen Wochen kam ein sehr großer Schneesturm über Dänemark, der alles schön mit Pulverschnee übergoss. 

Ein eisiger Morgen im Herzen Kopenhagens 

Einige Tage nach dem Schneesturm, auf Østerbro

Einige Tage später reiste ich dann nach Lolland, und was sehe ich, als ich am Bahnhof von Nykøbing Falster aussteige?

Noch mehr Schnee. 

Eine schöne Begrüßung in Nykøbing Falster...

In der Woche auf Lolland hat es zwar auch geschneit, aber G"tt sei dank nicht in demselben Ausmaß wie in Kopenhagen. 

Auf Lolland haben wir den Geburtstag meiner Mutter gefeiert, und es war so gemütlich wie immer. 

Als die Woche vorbei war, hatte ich zuerst einen schönen Tag mit meinen Eltern in Næstved, und von da nahm ich dann den Zug nach Kopenhagen. 

Bilka, das Einkaufszentrum dass ich am meisten mit dem Konzept "Einkaufszentrum" verbinde

Am legendären Bahnhof in Næstved 

Am Bahnhof von Næstved habe ich jedenfalls wieder die Atmosphäre genossen und bin in Erinnerungen geschwelgt; und G"tt sei dank war der Zug nach Kopenhagen nicht überfüllt. 

Der Februar endet ja jetzt dieses Wochenende, und ich hoffe dass ab Sonntag richtiges Frühlingswetter sein wird. Und wenn ich richtiges Frühlingswetter sage, meine ich Sonnenschein und die Möglichkeit, dass die Blumen jetzt endlich richtig blühen können. 

Aber da dass hier ja Skandinavien ist, muss man aber auch beachten, dass März und April hier oben ziemlich unberechenbare Monate sind - am einen Tag kann die Sonne scheinen, am anderen dann regnen, und dann kann es wieder für einen oder zwei Tage schneien. 

Hauptsache mehr Sonne und weniger Regen. 

Donnerstag, 12. Februar 2026

Zwei verschiedene Tage, zwei verschiedene Leben - mehr oder weniger

 

Der Ausblick von der Brücke am Bahnhof in Næstved, Februar 2014 

Ich habe schon einmal - und danach mehrfach angedeutet - wie sehr ein Tag wo ich eine Tagesreise nach Næstved unternahm mir sehr viel bedeutete, aber auch mein erstes Purim im Jahr darauf. 

Mir ist erst vor kurzen aufgefallen, wie diese beiden Tage miteinander verbunden sind, trotz der Umstände. 

Im Februar 2014 wohnte ich noch bei meinen Eltern auf Lolland. Ich sehnte mich so sehr nach einem Neuanfang, nicht um weg zu kommen, und auch nicht nur wegen des Studiums - auch weil ich endlich den Gijur anfangen wollte. An dem Morgen waren meine Eltern schon vor Sonnenaufgang aufgebrochen, auf in den Urlaub in die Türkei. 

Chang übergab sich an dem Morgen. Ich machte es wieder sauber. 

Ich hatte schon seit mehreren Tagen diesen Tagestrip nach Næstved geplant. Ich hatte seit dem geplatzten Kibbuz Trip nach Israel gemerkt, dass ich mich nur beim Reisen am Leben fühle. Und somit waren diese Tagestrips nach Næstved in der Zeit so das einzige, was einer richtigen Reise nachkam, wo ich mich wenigstens so fühlte, als sei ich unterwegs. 

"Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer", von Alex Capus. Im vorherigen Herbst am Flughafen in Wien gekauft, las ich in im Zug nach Næstved. Allerdings wurde ich erst fertig mit ihn im Frühling 2016. 
Nachdem die tägliche Wiederholung von Richterin Barbara Salesch fertig war, packte ich meinen Rucksack, und fuhr mit der Mofa zum Bahnhof in Nykøbing Falster. 

Im Zug angekommen, machte ich es mir bequem, und las in "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer", von Alex Capus. Ich konnte dann aufatmen. 

Ich genoss die Aussicht auf die wechselnde Landschaft - wo mein Favorit die Brücke nach Vordingborg ist.  

In Næstved angekommen kam ich wie gewöhnlich zuerst auf die Brücke, wo ich die Aussicht gen Norden genoss. Ich schaute auch auf das Krankenhaus in Næstved, worüber ich vor kurzen schrieb (ein anderer Tagestrip zwei Monate später in dem Jahr). 

Ich kaufte dann drei Bücher im Buchladen am Axeltorv, den es heute nicht mehr gibt, und dann ging ich runter zum Susåen Park am Bach, den ich zum Wald folgte. 

Damals war dieser Campus eine lokale Universitet - jetzt ist sie ein Kommunengebäude 

Ich weis noch immer nicht, was auf der kleinen Insel im Bach mal war 

Das hier macht mich irgendwie glücklich

Auch das 

Als ich im Wald ankam, setzte ich mich nach einer Weile auf einen Baumstamm. Und da fiel mir dann wirklich auf, dass diese Zeit auf Lolland nun wirklich bald vorbei ist und es sich jetzt nur um Monate handelte. Und ich dachte da zum ersten Mal ganz lebhaft daran, wie ich in Kopenhagen leben würde. Wie ich in die Synagoge gehen würde, zu Events oder anderes im Jüdischen Gemeindehaus gehen, wie mein Campus der Universität aussehen würde - ich hatte zu diesen Zeitpunkt nämlich wirklich absolut keine Ahnung, wie es aussehen würde. Das würde ich erst im Spätsommer sehen, ein Paar Wochen vor meinem Umzug. 

Als die Zeit kam, machte ich mich dann auf dem Weg zum Chinesischen Restaurant am Susåen, wo ich das Sushi da sehr genoss. 

Und danach machte ich mich dann auf den Weg zum Bahnhof, und als ich am Abend dann zuhause war, schaute ich dann Türkisch für Anfänger - letztendlich ein ziemlich vergesslicher Film. 

Am nächsten Tag machte ich mich dann Abends auf den Weg nach Nykøbing, weil ich da eine lokale Vorstellung des Broadway Musicals Rent sah - ein Freund von mir spielte mit. Das war...nicht sehr gut. Aber ein Abend an dem ich gerne zurückdenke. 

Vignette vom darauffolgenden Abend in Nykøbing 

Und nun ein Jahr später. 

Blumen vor der Großen Synagoge in Kopenhagen, ein Monat nach dem Terroranschlag 

März 2015. Ich war seit dem vorherigen Spätsommer wirklich in Gange mit dem Gijur-Prozess, und freute mich nun auf mein erstes Purim. Jetzt hatte ich ja schon die Hohen Feiertage und Chanukka erlebt, und jetzt freute ich mich auf Purim - das Buch Esther fand ich bis dahin auch schon immer sehr faszinierend. Aber jetzt sah ich es mit anderen Augen - auch nachdem ich im Unterricht im Gemeindehaus gelernt hatte, dass es das älteste Zeugnis des Wort "Jude" ist, dass dort zu finden ist. 

In der Zwischenzeit war ich auch in der Kunst des Fastens mehr oder weniger beherrscht. Ich hatte bereits zu Jom Kippur 2013 in Tel Aviv gefastet (ohne in der Synagoge zu sein), dann nach dem Umzug nach Kopenhagen 2014 zu Zom Gedalja und zu Jom Kippur wieder - und nun war das Taanit Esther, das Fasten der Esther, dran. 

Um die Zeit totzuschlagen, ging ich ins Nationalmuseum. Das war damals gratis. 

Antiker Kopf im Nationalmuseum 

Ich hatte seit meinem Umzug nach Kopenhagen schon mehrere Spaziergänge dort gehabt - allerdings war dieses einer der, an denen ich mich am meisten Erinnere, auch weil es am Vorabend von Purim war. Ich kam dann kurz vor Schließung raus, und machte mich auf dem Weg zur Synagoge, wo ich auch das Antiquariat bei Strøget besuchte, auf dem Weg dahin. 

In der Synagoge bei der Vorlesung des Buch Esther, März 2015 

Und es war ein Rausch, als das Buch Esther vorgelesen wurde. Und der Lärm, wenn Hamans Name genannt wurde. Ein Erlebnis an das ich mich immer erinnern werde. 

Nun denn. Am nächsten Tag machte ich mich auf dem Weg nach Ryparken, wo die Jüdische Schule, Carolineskolen, sich damals befand. Es war mein erstes Mal dort. Und ich trug die echten bayrischen Lederhosen, die ich extra für den Zweck online bestellt hatte. 

In der alten Sporthalle der Carolineskolen wurde die Feier gehalten. 

Es war ein sehr schöner Tag. Ich saß bei einem Tisch mit Freunden aus der Gemeinde, und es war einfach so unbeschreiblich gemütlich. Es wurde auch das Buch Esther vorgelesen. Natürlich mit viel Krach jedes Mal wo Hamans Name genannt wurde. 

Und dann...war es vorbei. Und somit spürte ich zum ersten Mal diese Melancholie, die nach jeder Purimfeier kommt. 

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Abend, als ich bei der S-Bahn Station Ryparken wartete, und das ganze verarbeitete. An dem Tag sah ich auch zum ersten Mal die Silhouette von Grundtvig Kirke, die große Kirche in Bispebjerg - damals dachte ich, es sei ein Mormonentempel. 

Und ein ein halb Wochen später verstarb dann meine Großmutter. 

Und jetzt fragt ihr euch sicher, was haben die zwei Tage mit einander zu tun?

Man muss bedenken, dass da zwischen den beiden Tagen ein Jahr liegt. 

Ein Jahr, und mein Leben zwischen diesen Tagen hätte unterschiedlicher nicht sein können - und ich finde es so seltsam, gerade an den Punkt zu denken. An den einen Tag im späten Februar 2014 sehne ich mich so sehr nach einen Neuanfang, und den Wunsch endlich den Gijur anzufangen. Ein Jahr später lebe ich dann dieses Leben, studiere Hebräisch an der Universität Kopenhagen, und das Leben das ich vorher lebte ist irgendwo im Schatten. Ein Jahr ist immerhin im großen Bild keine allzu lange Zeit - und dennoch war mein Leben nun ganz anders als vorher. 

Es waren also schon zwei verschiedene Leben, die ich lebte. 

Die Zeit ist wirklich ein sehr seltsames Ding. Und sie fliegt wirklich. 

Dienstag, 10. Februar 2026

Ein kalter Tagestrip nach Næstved im April 2014

 

Beim Krankenhaus in Næstved 
Ich habe schon mal geschrieben, dass der Tag, von dem hier schreibe, wohl der letzte wirklich kalte Frühlingstag 2014 war. 

Hier ein bisschen Kontext: 

Der März und der April in Skandinavien sind sehr unberechenbare Monate. Da kann es den einen Tag ein Tag voll Sonnenschein sein, am nächsten Tag Regen, und dann kann es für ein Paar Tage auch sogar schneien. Mein Pesach in Stockholm vor drei Jahren war ja auch ziemlich weiß deswegen. 

Wie ich hier schon oft erwähnt habe, so bin ich in der ersten Hälfte von 2014 sehr oft auf Tagestrips nach Næstved gegangen - mit der Mofa nach Nykøbing Falster, und dann mit dem Zug nach Næstved - und an den Tag war es auch wieder eine sehr spontane Entscheidung. 

Hier hinzufügen möchte ich auch, dass ich am vorherigen Herbst 2013 realisierte, dass ich mich nur am Leben fühle, wenn ich reise. Diese Tagestrips nach Næstved gaben mir dann wenigstens das Gefühl, unterwegs zu sein, und nicht immer an einen Ort gefesselt zu sein. 


Es war halt ein sehr nebliger Tag. Was auch eines der Gründe ist, weswegen ich mich daran so gut erinnere. 

Im Zug las ich "Das Tor", von Sahar Khalifa. 

Es war ein sehr nebliger Tag. Ich glaube auch, dass ich an den Sonntag auch der einzige im Zug war. Ich las "Das Tor" von Sahar Khalifa - das war ein Roman, den ich eigentlich im Jahr zuvor, kurz vor meiner ersten Reise nach Israel angefangen hatte, aber erst zu dem Zeitpunkt wieder angefangen hatte. 

In Næstved angekommen, hatte ich noch mehrere Stunden totzuschlagen, bis das Restaurant, wo ich immer Sushi hatte, öffnete, also ging ich einen längeren Spaziergang - allerdings in eine ganz andere Richtung als gewöhnlich. Statt in Richtung des Parks bei Susåen, ging ich in die Richtung des Krankenhauses, dass an dem nebligen Tag etwas berauschendes an sich hatte. Ich muss hier auch sagen, dass an dem Tag so gut wie keiner in der Stadt war. Es war, als ob die Stadt am schlafen war. Auch am Krankenhaus war nichts los. 

Ich setzte mich also auf einer Bank vor dem Krankenhaus, und habe da dann etwas auf meinem iPad rumgesurft. Damals funktionierte die Simcard in ihr noch, die lief im Frühling 2016 aus. Zudem habe ich da auch weiter "Das Tor" gelesen. 

Ich muss auch sagen, dass ich irgendwie sehr existentialistisch wurde und darüber nachdachte, wie sehr ich mich nach einen Neuanfang sehnte. 


Der Baum da hatte was an sich. 

Nach einer Weile bin ich dann weitergegangen - und es ging bergauf und bergab, und da war auch ein ziemlich großer Kiosk und ein Rema 1000 Supermarkt. Keine Ahnung warum ich mich gerade so auf die Details erinnere, aber ich erinnere mich halt daran. Und die Straße die ich folgte folgte auch die Bahngleise in Richtung Kopenhagen. Zu dem Zeitpunkt freute ich mich so sehr, im darauffolgenden Spätsommer nach Kopenhagen zu ziehen - allerdings war das mental immer noch sehr weit weg, auch weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob ich am Studium angenommen wurde. Das ist sehr seltsam, an das zurückzudenken. 

Dann bemerkte ich, wie die Zeit vergangen war, und machte mich dann auf dem Weg nach Susåen. 

Die späten Blüten beim Susåen. 

Ich hatte dann wieder eine entspannende Mahlzeit in dem Restaurant - dass es seit 2020 leider nicht mehr gibt. 

Als ich fertig war, machte ich mich dann wieder auf dem Weg zurück zum Bahnhof - ich kaufte dann wieder eine Ausgabe des Spiegels, wo ich ein peinliches Interview mit dem Selbsthasser und Bundist-Wannabe Daniel Cohn-Bendit las - und gerade das Detail weis ich wegen diesen Post von damals, gerade zwei Tage später verfasst. 

Warum gerade wieder ein Tag wie der in Erinnerung ist? Weil der sehr typisch für mich war, in den letzten 7 Monaten auf Lolland vor meinem Umzug nach Kopenhagen im Spätsommer 2014. Ich versuchte damals noch den Führerschein zu machen, hat nicht funktioniert und wird wohl nie etwas. Ich bin auch glücklich ohne Führerschein. Was mich allerdings an das mit dem Führerschein stört ist dass ich das Geld meiner Eltern damit vergeudet habe. Meine Tage waren auch sehr monoton. Frühstück war meist das Chop Suey aus dem Supermarkt, am Vormittag liefen auf Sat1 Wiederholungen von Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Hold, und am Nachmittag dann die Fortsetzung/Spin Off des letztgenannten Im Namen der Gerechtigkeit, und Abends dann Taff und Die Simpsons bei Prosieben, und dann ab 20 Uhr dann meist das was bei Comedy Central lief - das war bevor der Kanal mit Viva den Sendeplatz teilte, und dann am 1. Januar 2019 komplett übernahm, nachdem Viva am Tag zuvor den Sendebetrieb einstellte. Viva war auch oft Backgroundnoise für mich in der Zeit, und so blieb es bis zur Einstellung am 31/12 2018. 

Das Einzige, woran ich in der Zeit dachte, war die Reise nach Israel im Juli, und der Umzug. Alles zusammen mit der Hoffnung, dass ich zum Studium zugelassen wurde. 

Und an all das muss ich jetzt seit 2021 immer wieder denken, da ich wieder wie damals in einer Limbo bin. Wenigstens sehe ich jetzt endlich das Licht am Ende des Tunnels. 

Und ein Tag später war dann das hier in der Bild:

Ja, Helena Bonham-Carter als Bellatrix Lestrange an der ersten Bild Schlagzeile an dem Tag. Hier ein Link zum Fall von damals. 


Sonntag, 2. November 2025

Die Secondhandläden von "Udkantsdanmark"


Am Bahnhof von mit Aufsicht zu den Gleisen Richtung Kopenhagen und mit dem Krankenhaus im Hintergrund, Februar 2014 
In Dänemark nennt man alles außerhalb von Kopenhagen und deren größerer Umgebung (auf dänisch "Storkøbenhavn") "Udkantsdanmark", soll heissen, "Ausserhalbdänemark", oder die Aussenbezirke Dänemarks. Eine hässlichere Bezeichnung ist "den rådne banan", oder die "verfaulte Banana", da dort angedeutet wird, dass alles ausserhalb von Kopenhagen, Aarhus und Aalborg verrottet, da die vielen Kleinstädte und Dörfer mehr oder weniger aussterben. 

Ich bin ja selber in "Udkantsdanmark" aufgewachsen, da die Inseln Lolland und Falster wirklich oft in der Diskussion aufkommen, da dort so viele Geschäfte schliessen, weil die Kundschaft ausbleibt, und weil die meisten jungen Leute wegziehen (gerade nach Kopenhagen, Aarhus, Aalborg oder sogar Odense), sind die Mieten die niedrigsten im ganzen Land. 

Brunnen in Nørre Alslev, einer kleinen Stadt auf Falster, Spätfrühling 2014 

Aber gerade über Lolland und Falster will ich heute nicht schreiben. 

Stattdessen eher über Städte wie Næstved, Kalundborg und Ringsted, die alle drei auf Sjælland liegen und somit auch etwas dichter an Kopenhagen liegen, und dennoch zeigen wie weit entfernt diese Städte von Kopenhagen und alles was die Stadt verkörpert ist. 

Und da vor allem die Secondhandläden. 

Warum gerade die Secondhandläden? 

Weil die Secondhandläden mehr oder weniger die Geschichte und Entwicklung dieser Städte im Laufe der Zeit wiedergeben. 

Diese Läden sind meistens entweder vom Roten Kreuz, der Heilsarmee oder gewöhnliche Antiquariate oder Antiquitätenhändler, und manchmal sogar eine Mischung aus allen. Ja – diese Secondhand-Läden und Antiquariate in Städten wie Ringsted, Kalundborg, Slagelse oder Nykøbing Falster sind wie Zeitkapseln der verlorenen Moderne. Sie bewahren die Atmosphäre des Dänemarks der 1980er und 1990er Jahre, das einst optimistisch, bescheiden wohlhabend und kulturell selbstbewusst war – sich heute jedoch abgeschottet anfühlt, wie ein Standbild aus einem anderen Land.

Alte deutsche Broschüre in einem Antiquariat in Kalundborg 

Die Bücher sind oft ins dänische (und hier und da ins schwedische oder norwegische) übersetzte Romane die oft in zwei Volumen rauskamen - damals waren viele in der Mittelschicht Abonnenten von Buchklubs, wo sie diese so zugeschickt bekamen. Die Leserschaft verschwand langsam als das Digitale Zeitalter einbrach, und so findet man diese Bücher jetzt in diesen Läden. 

Aber nicht nur die Bücher sind ein Teil dieser Attraktion. 

Da ist immerhin auch die Musik - und dabei nicht nur Schallplatten. Nein, auch CDs aus der Frühzeit der CD, und es sind oft Alben von Tina Turner, den Simple Minds, Sko/Torp, Sissel, Bruce Hornsby and the Range, Vaya Con Dios....alle sitzen sie auf demselben Regal, Überbleibsel einer anderen Ära. 

Ah, erinnert sich noch jemand an damals, wo Dan Browns "Da Vinci Code" überall im Trend war, um 2006? Maeve Binchy ist auch eine typische Gestalt in diesen Regalen 

Sagt schon einiges, dass E. L. James "Fifty Shades"-Reihe auch eines Tages da sein würde, platziert neben John Irving. 

Und wie man hier oben sieht, so sind die Namen, die man heute auch so oft in diesen Läden sieht, die von Dan Brown, E. L. James, aber auch Stephenie Meyer und andere Autoren, die wegen einer Verfilmung ihrer Romane voll im Gespräch waren. 

Wobei man bei Dan Brown bedenken muss, jetzt gibt es ja mehrere Antiquariate und Secondhandläden, die seine Romane - aber vor allem den "Da Vinci Code" - nicht mehr annehmen, da einfach zu viele Exemplare davon sind. 

So kommt es bestimmt auch bald mit Meyers Twilight-Romanen oder E. L. James´ "Fifty Shades"-Reihe, die witzigerweise als Twilight-Fanfiction anfing. 

Aber auch Bestsellerautoren wie John Irving, Maeve Binchy oder Barbara Cartland sieht man auch dort. 

Und hier und da steht da noch das Provinztheater - hier in Nørre Alslev, Spätfrühling 2014 

Warum ich das alles schreibe?

Weil ich das ganze irgendwie faszinierend finde. Man sieht nicht nur, wie die Konsumkultur sich verändert hat, sondern auch wie diese kleinen Secondhandläden in der dänischen Provinz zu kleinen "Kulturmuseen" der Mittelschicht geworden sind. Gerade jetzt sind sie eine Mischung aus dem, was zwischen den späten 70´ern und den 90´ern waren (natürlich mit viel älterer Glasware und anderes richtig Antikes), aber inzwischen kommen schon Elemente aus der Mitte der 2010´er. Das ist, wie schon gesagt, ziemlich faszinierend. 

Dort steht die Welt stehen. Man sieht, wie die Namen der Großen, wie sie damals waren, auf den Regalen, während die Welt draußen weitergeht.

Und wenn das gesagt ist, bei meinem letzten Tagestrip nach Kalundborg fand ich im dortigen Antikvariat die erste dänische Übersetzung von Tewje dem Milchmann:

Übersetzt - anscheinend, wie ich hörte, aus dem deutschen - vom damaligen dänischen Oberrabbiner Marcus Melchior. 

Sonntag, 12. Mai 2024

Meine Sommerferien 2023

Meine Sommerferien letztes Jahr waren zwar etwas minimalistisch, aber viel besser als der Sommer 2022, wo nichts passierte. 

Er fing mit einem verlängerten Wochenende in Flensburg an, und ich reiste da mit dem Zug dorthin, wo mich meine Eltern abholten und wir dann bis zum Sonntag dann in einer Wohnung in der Innenstadt wohnten. 

Irgendwo in Flensburg 

Beim Alten Friedhof 

Sphinx 



Kurz nach Sonnenuntergang 


Dämmerung über Flensburg


Am Freitag hatten wir dann einen Tagestrip durch die Städte der Umgebung, unter anderen auch Rendsburg, wo wir das Jüdische Museum besuchten. 





Die Halle der ehemaligen Synagoge, gesehen von der alten Frauenempore

Die Mikwe 

Als wir am Sonntag nach Lolland fuhren, hielten wir noch an in Kolding und Fredericia. 

Blick zur Kirche in Kolding 

Das Rathaus in Kolding 




Koldinghus - dort wurden die 1943 verhafteten Juden aus Fyn und Jylland gehalten, bevor diese nach Theresienstadt deportiert wurden. 

Blick in den Hof von Koldinghus

Blick zum See



In Fredericia besuchten wir dann den Jüdischen Friedhof, einer der ältesten in Dänemark:

Der Eingang zum Jüdischen Friedhof





Grab einer Frau namens Fromet




Danach war ich zwei Nächte auf Lolland, bis ich dann nach Kopenhagen zurückreise, und für den Rest der Ferientage - bis auf dem Schabbat - hatte ich dann jeden Tag eine Tagesreise. 

Zuerst fuhr ich zum ersten Mal nach Helsingborg, Schweden:

Kurz nach der Ankunft in Helsingborg

Die Treppen von Helsingborg, auf dem Weg nach Kärnan

Eine Kirche vor einer Schule 

Die zehn Gebote in der Synagoge von Helsingborg

In der Synagoge von Helsingborg

Kärnan

Fenster in Kärnan

Das Krematorium auf dem Friedhof von Helsingborg 

Die Flagge von Skåne (Schonen)

Es war ein sehr schöner Tag in Helsingborg, und am nächsten Tag ging die Reise dann nach Kalundborg. Ich war seit dem Tag im Januar 2021 mit meinen Eltern nicht mehr in Kalundborg, bis zu dem Zeitpunkt. 


Am Hafen von Kalundborg 






Bei einem alten Hotel 

Am alten Marktplatz bei der Marienkirche, im alten Stadtzentrum 

Rose im alten Stadtzentrum 

Die Marienkirche - gebaut im Mittelalter, dann stürzte der mittlere Turm 1827 ein, und wurde erst wieder 1871 aufgebaut.  



Beim Stadtmuseum




Das alte Stadtzentrum 

Bei der alten Stadtmauer 

Beim modernen Stadtzentrum 

Es fühlte sich toll an, wieder in Kalundborg zu sein. Und dann fiel mir auf, dass die einzige Zugverbindung die nach Kopenhagen ist, und die Stadt Holbæk liegt in der Mitte dieser Rute. 

Am nächsten Tag war ich dann in Ringsted, wo ich zu dem Zeitpunkt seit zwei Jahren nicht mehr da war. 

Blick zur Domkirche 

In der Domkirche in Ringsted liegen mehrere Könige und Adlige begraben 

Eine Skulptur vor der Domkirche 



Stadtzentrum 

In einer Passage im Stadtzentrum 



Am nächsten Tag war Schabbat, und den habe ich genossen. 

Am Sonntag ging die Reise dann nach Roskilde, wo mein Handy kurz nach der Ankunft plötzlich abstürzte und ich in einem Restaurant dann kurz deren Auflade Gerät borgen musste bis das Handy nach einer Minute dann wieder da war. 

Ich besuchte dann in der Domkirche die Gräber der vielen Könige und Königinnen, die dort begraben liegen, und hatte danach einen schönen Spaziergang am Fjord. 

Ein Stuhl nahe am Bahnhof - das war nur ein Moment bevor mein Handy plötzlich abstürzte 

Kunst in der Nähe vom Bahnhof 

Allee auf dem Friedhof vor dem Bahnhof 

Fenster der Kapelle auf dem besagten Friedhof 

Tja, so ist es halt...

Das alte Stadtzentrum, nahe bei der Domkirche 

Die Domkirche, wo fast sämtliche Könige und Königinnen Dänemarks begraben sind. 

Und am letzten Ferientag ging die Reise dann zu einen sehr gewohnten Ort, nämlich Næstved. 

Am Bahnhof 

In Richtung Kopenhagen...

Das älteste Hotel in Næstved 

Bei Susåen 


Skulptur im Stadtzentrum 



Ein Feld bei Susåen 


Das Internat Herlufsholm, eine Schule, die in den letzten Jahren wegen Mobbing mehrere Skandale hatte 

Die alte Universität, jetzt ein Gebäude der Kommune 




Zurück nach Kopenhagen. 

Ja, diese Sommerferien waren zwar wirklich etwas anders, aber es waren wenigstens Ferien, und es passierte etwas. Etwas, was ich nicht vom Sommer 2022 sagen kann. 

Nun denn, ich bin jetzt mal gespannt, wie meine Sommerferien dieses Jahr aussehen werden, wenn mein Praktikum fertig ist. 

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