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Samstag, 1. September 2012

FILMKRITIK: Olympic Garage (Argentinien/Italien/Frankreich 1999) (9/10)

Alternative Titel: Garage Olimpo, Junta

Regie: Marco Bechis
Produktion: Amadeo Pagani, Marco Bechis, Enrique Piñero, Eric Heumann
Drehbuch: Lara Fremder, Marco Bechis, Caterina Giargia
Musik: Jaques Lederlin
Darsteller: Antonella Costa, Dominique Sanda, Carlos Echevarría, Enrique Piñero, Pablo Razuk, Chiara Caselli, Paola Bechis, Adrián Fondari

Handlung:
Argentinien, Mitte der 70´er Jahre: Die Militärdiktatur terrorisiert die Bevölkerung psychisch- und körperlich. Mitten in dieser Hölle lehrt die politische Aktivistin Maria in den Slums von Buenos Aires die Analphabeten vom Lande, die in die Stadt gekommen sind. Eines Tages jedoch wird Maria ohne Vorwarnung von der geheimen Polizei festgenommen, in ein unbekanntes Gefängnis gesteckt und mehrfach am Tag gefoltert. Unter ihren Peinigern ist auch Felix (Carlos Echevarría), der mit ihr und ihrer Mutter zusammen lebt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Hassliebe, die Maria dazu braucht, um zu überleben.

Review:
Wenn der Film vorbei ist, ist man ziemlich geschockt. Man ist zwar irgendwie vorbereitet, dass es in diesen Film zwar einige Folterszenen gibt, aber dennoch, ist der Film nichts für schwache Nerven. Hier mal kurz etwas zum historischen Hintergrund des Films: der Film spielt in der Ära des "schmutzigen Krieges" (guerra suica in Spanisch), der anfing kurz nachdem Jorge Rafael Videlas reaktionäre Militärherrschaft an die Macht kam im Jahre 1976. Die Militärjunta ging gegen jeder Opposition sehr hart vor und benutzte dabei illegale Methoden, wie Folter oder Hinrichtungen. Die Schlimmste Form der Hinrichtung waren die sogenannten "Todesflüge", bei der die Häftlinge unter Drogen gestellt wurden und dann von einem Flugzeug ins Meer geworfen wurden. Die Hauptfeinde der Militärjunta waren Kommunisten, obwohl nur die wenigsten Oppositionsgruppen Marxistischer Überzeugung waren. Diverse Minderheiten, wie Juden und Muslime, wurden von der Regierung diskriminiert. Dies war eines der Hauptgründe weshalb die berühmte argentinisch-jüdische Schauspielerin Cecilia Roth nach Spanien ging, wo sie eine grosse Karriere in Filmen von Pedro Almodóvar genoss. Der US-Aussenminister Henry Kissinger billigte die Diktatur, da der Hauptfeind ja die Kommunisten waren. So viel zur Rolle der "besten Demokratie der Welt". (für mehrere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Desaparecidos und http://de.wikipedia.org/wiki/Schmutziger_Krieg, sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Argentinische_Milit%C3%A4rdiktatur_(1976%E2%80%931983) ) Der Regisseur dieses Films, Marco Bechis, war selbst Opfer der Militärdiktatur.

Eines der Dinge, die an den Film ziemlich Nerven, ist der Klang von Tennisbällen (die Gefängniswärter spielen Tennis, wenn sie nicht gerade dabei sind Häftlinge zu foltern oder ihre Lust an ihnen auszulassen), und im Hintergrund spielen auch oft alte argentinische Schlager. Am Anfang des Films sieht man ein junges Mädchen, dass in einen Bus sitzt und bei einer grossen Wohnung aussteigt. Sie besucht die Tochter eines hohen Beamten der Regierung. Als sie ihrer Freundin sagt, sie gehe auf die Toilette, geht sie stattdessen in das Zimmer des Vater, und pflanzt eine Bombe unter dem Bett. Bildwechsel! Da wir uns ja alle normalerweise mit der ersten Person, die wir in einem Film begegnen identifizieren, hat Marco Bechis uns gerade irgendwie herumgetrickst, und die Geschichte von Maria fängt an, und erst bei der Mitte des Films wird die Einführungsszene zu Ende gebracht.  Man leidet sprichwörtlich mit Maria, und Felix, obwohl er Maria gut behandelt, hasst man seine Rolle in den Film zutiefst. Antonella Costa spielt ihre Rolle superb. Die französische Schauspielerin Dominique Sanda ist ebenfalls sehr gut als Mutter, und Carlos E. ist okay.

Ich kann euch versichern, am Ende des Films ist man sehr verstört und man will weinen.

Screenshots:

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