Mittwoch, 11. Februar 2026

FILMKRITIK: Salt (Nordkorea/VR China 1985) (8/10)

 

Alternative Titel: Sogum, 소금

Regie: Shin Sang-ok

Produktion: Shin Sang-ok

Kamera: Cho Myong-hon, Pak Sung-ho

Künstlerische Leitung: Ri Do-ik 

Drehbuch: Kim Hee-bong nach einem Roman von Kang Kyong-ae 

Musik: Chon Chong-il 

Darsteller: Choi Eun-hee, Chong Ui-gyom, Oh Yong-hwan, Kim Myong-hee, Ri Wan-sam, Ri In-gwon, Chong Chol-woo, Chong Kyong-suk, Ri Yong-sim, Pak Yong-hak, Choe Chong-hee, Hong Soon-chang, Ri Cho-ok, Yang Chan-sik, Choe Chon-sun, Kim Yong-gun, Ri Byong-chol 

Handlung: 

Kando, Mandschurei, in den 1930er Jahren: 

Nachdem der Ehemann der namenlosen Mutter (Choi Eun-hee) bei einem Strassengefecht ums Leben kommt, macht sie zunächst die kommunistische Widerstandsbewegung für ihr persönliches Unglück verantwortlich – obwohl ihr eigener Sohn und dessen Verlobte Teil dieser Bewegung sind. Als die Verlobte verhaftet wird und der Sohn verschwindet, bleibt sie allein zurück und ist gezwungen, als Dienstmagd bei einem wohlhabenden chinesischen Paar zu arbeiten. Dort wird sie Opfer einer Vergewaltigung durch ihren Arbeitgeber, der kurz darauf bei einem Unfall stirbt. Schwanger und sozial weiter abgestiegen bringt sie einen Sohn zur Welt und arbeitet später als Amme bei einer reichen koreanischen Familie, während ihre eigenen Kinder an einer Krankheit sterben. Nach einem gescheiterten Suizidversuch wird sie von einer Freundin (Kim Myong-hee) aufgefangen, die sie schließlich dazu bewegt, sich aktiv am Salzschmuggel zu beteiligen – ein Akt der Solidarität, der zugleich ihren endgültigen Anschluss an den revolutionären Widerstand markiert.

Review:

Wie ihr sehen könnt, passiert in der Handlung sehr viel schlechtes der namenlosen Mutter, und ich habe versucht es so gut wie möglich niederzuschreiben. Ich muss aber auch sagen, dass ich den Film ohne Untertitel gesehen habe, aber dennoch musste ich diese Review schreiben, auch weil der Film letzten Monat zum ersten Mal online gestellt wurde. Es war ein VHS Rip, allerdings ist das besser als nichts, da ich den Film schon seit Jahren gesucht habe. 

Der Film ist einer von Shin Sang-ok und Choi Eun-hees Filmen, die während ihrer unfreiwilligen Zeit in Nordkorea gemacht wurden. Beide wurden mehrere Monate nacheinander im Jahr 1978 in Hongkong von nordkoreanischen Agenten entführt, und waren dann getrennt von einander in Pjöngjang gehalten, und erst im Frühjahr 1983 wieder miteinander vereint, auf einer Party im Hause von Kim Jong-il, der ihnen dann sagte, sie seien dort um die nordkoreanische Filmindustrie zu verbessern. Zwischen 1983 und 1986 machten sie dann mehrere Filme, von denen Pulgasari der berühmteste ist. 

Nachdem die beiden 1986 über Wien in die USA geflüchtet sind, wurden mehrere der Filme die sie in der Zeit in Nordkorea gemacht hatten verboten oder so editiert, dass ihre Namen aus dem Vor und Nachspann entfernt wurden, was bei Filmen wie Pulgasari, Hong Kil Dong oder Emissary of No Return leicht war, auch weil Choi Eun-hee in diesen Filmen nicht mitspielte. Filme wie dieser hier, Runaway oder The Tale of Shim Chong wurden jedoch verboten und sind sehr schwer zu kriegen. Hier muss ich aber auch sagen, dass die Koreanische Kinemathek in Südkorea alle Filme von Shin Sang-ok und Choi Eun-hees Zeit in Nordkorea im Keller haben, aber diese aus seltsamen Gründen noch nicht Online gestellt haben. 

Ich war so froh, als ich vor einigen Wochen auf Reddit eine Nachricht bekam, wo ich den Link zum Film auf der Internet Archive bekam. 

Nun denn, jetzt ist alles andere gesagt, jetzt zum Film selbst. Und ja, ich werde hier definitiv spoilern. 

Der Film ist ganz anders als andere, mehr konforme, von Propaganda durchgewaschenen nordkoreanische Filme über die Japanische Besatzungszeit. Der Film fängt ungewöhnlicherweise mit einem Zitat aus dem Neuen Testament (!), aus dem Matthäusevangelium 5:13. Das ist sehr ungewöhnlich, vor allem wenn man bedenkt, dass das Christentum in Nordkorea verboten ist - falls man in einem Hause eine Bibel findet, wird die gesamte Sippe in ein Konzentrationslager gebracht, für 3 Generationen. Kim Il-sung selbst kannte dieses Zitat ("Ihr seit das Salz dieser Welt...") wohl sehr gut, immerhin kam er aus einer frommen protestantischen Familie. 

Viele haben gesagt, gerade dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür, wie Shin Sang-ok hin und hergerissen war von dem Wunsch, gutes Kino zu produzieren und den Wünschen des Staates zu erfüllen.  Und das sieht man hier wirklich - so wirkt die Welt sehr arm und ohne Perspektive, und gleichzeitig wirken die Kulissen auch authentischer als zum Beispiel in The Flower Girl (wobei ich hier aber auch anmerken muss, dass The Flower Girl auch zu den nordkoreanischen Filmen gehört, die auch wirklich gut sind). 

Der Film basiert sich auf einen Roman von Kang Kyong-ae, die den Roman 1934 herausgab, und selbst 1944 verstarb, ein Jahr vor der Befreiung. 

Und nun gehe ich in ein Detail ein, dass zeigt, wie anders Salt ist im Gegensatz zu anderen nordkoreanischen Filmen ist, die zur japanischen Besatzungszeit spielen: in einer Szene sieht man wie der Sohn und dessen (sehr fein gekleidete) Verlobte auf den Markt gehen und antijapanische Flugblätter herumwerfen, einen Slogan rufen, und dann sofort weglaufen. Soll heißen: die Szene ist realistisch - das Leben geht weiter, und keiner bleibt stehen und hört sich lange Monologe über den Imperialismus und Klassenkampf an - und das ist sehr ungewöhnlich in einem nordkoreanischen Film. Das einzige, was diesen "Monologszenen" nahe kommt ist am Ende, als einer der Widerstandbewegung am Ende, nachdem diese eine mit den Japanern kollaborierende Milizen ausgeschaltet hatten die die Salzschmuggler angeschossen hatten. 

Eine weitere Sonderheit des Films ist die, dass der Film im nördlichen Dialekt der koreanisch-chinesischen Grenze gedreht wurde, und nicht im Dialekt von Pjöngjang. 

Das beste am Film ist definitiv Choi Eun-hee (Seong Chunhyang) - sie gibt hier wirklich die wohl beste Performance ihrer Karriere, und das muss man ihr lassen. Sie gibt eine sehr realistische Darbietung einer Mutter, der alles genommen wurde und einfach versucht, zu überleben. Viele haben angedeutet, dass das Leiden der Mutter im Film für Choi wohl real waren - so habe ich in Paul Fischers Buch über Shin und Chois Zeit in Nordkorea gelesen dass Choi irgendwann an Lungenentzündung litt, und das war eines der Zeichen für die beiden dass die nun bald fliehen mussten. Ich vermute sie hat sich die Lungenentzündung geholt beim Dreh der Szene im eiskalten Fluss beim Ende des Films. 

Eine Szene, die mir sehr naheging war die, in der sie bei Nacht ihren Sohn zur Welt bring und daraufhin sich selbst nicht dazu bringen kann, den Säugling zu strangulieren. Solche Kost gab es bis da noch nie im nordkoreanischen Kino. Auch gab es bis dahin auch nie eine deutliche Vergewaltigung vor der Kamera, oder eine enthüllte nackte Brust (in einer Szene, wo sie den Säugling einer reichen Familie auf einer Feier stillt). Wie ein nordkoreanischer Flüchtling angab, hat dieser den Film mehrfach im Kino damals gesehen, gerade wegen dieser Szenen. 

Die anderen Darsteller geben auch gute Darbietungen - sowie Kim Myong-hee als Nachbarin und Freundin der Mutter, und Pak Yong-hak (der den tyrannischen König in Pulgasari gespielt hat) als Kollaborateur der Japaner. Sehr gut in ihren Szenen waren auch der, der ihren ältesten Sohn spielte als auch die Verlobte, allerdings kann ich die Namen nicht nennen, da ich nirgendwo sehen kann wer der Darsteller wen spielt, und Kim Myong-hee und Pak Yong-hak waren die einzigen Darsteller die ich vom restlichen Cast kannte. 

Johannes Schönherr hat in seinen Buch angegeben, dass er den Film als sehr sexualisiert wahrnahm und das vor allem das Leiden im Film irgendwie so dargestellt wurde - dem stimme ich nicht wirklich zu. Ich aber sagen, dass er in seiner Annahme, der Film sei eine Mischung aus (japanischen) Exploitationsfilm und Sozialistischer Realismus irgendwie zustimmen. Ich würde aber auch sagen, dass die Sexualisierung wohl weniger der Erregung dient, als der Entwürdigung der Mutter - und die Tatsache, dass einige den Film mehrfach im Kino wegen dieser Szenen der Vergewaltigung oder des Bruststillens gesehen haben, sagt mehr über das System als über der Intention des Films. 

Und hier muss ich dann wieder sagen, dass das einzige, was den Film zu einem "Propagandafilm" oder "pro-kommunistisch" mache, ist dass der Widerstand als die Guten dargestellt werden (...und das obwohl dieser antijapanische Widerstand auch sehr oft Bauern überfiel, deren Essen stahlen oder reiche Bauern lynchte wenn nur vermutet wurde dass sie kollaborierten), und wie die Mutter am Ende einsieht, dass ihr Sohn recht hatte sich den Widerstand anzuschließen und nun rausgeht, um ihren Sohn zu suchen. Der Film moralisiert den Widerstand, aber nicht die Welt, in der er agiert. (Hier muss ich auch sagen, dass das aller letzte was man vom Sohn und der Verlobten sieht ist, wie er und seine Mitstreiter sie aus dem Gefängnis befreien und dann mit einem Wagen wegfahren - das war wohl, um den Publikum zu sagen, dass alles gut wird) Dass die Mutter namenlos bleibt, ist kein Zufall, sondern macht sie zur Projektionsfigur: weniger Individuum als Verkörperung einer ausgebeuteten Klasse – und zugleich einer zutiefst weiblichen Leidensgeschichte. 

Und dann ist da noch das mit dem Zitat aus dem Neuen Testament - das Salz wirkt als eine Symbolik für Leben/Überleben, als die Gemeinschaft, als das Unsichtbare, was alles trägt. Das ist auch sehr ungewöhnlich dies in einem nordkoreanischen Film mit einzubeziehen, nicht nur wegen des Verbotes des Christentums - eine Einbeziehung eines religiösen Textes was sehr vor-marxistisch und fast archaisch wirkt. Ich frage mich außerdem wie es wohl für die nordkoreanischen Christen gewesen sein musste, die zu der Zeit ihren Glauben schon lange nicht mehr offen ausüben durften, aber dann einen Film sehen, der mit dem Zitat anfangt. 

Zum Ende sieht man außerdem, wie Shin Sang-ok sich beim Filmstudio in Beijing bedankte, die mit dem Dreh der Szenen dort mitgeholfen haben. 

Salt ist damit weniger ein klassischer Propagandafilm als ein widersprüchliches, körperliches Melodram, das ausgerechnet im repressivsten aller Kontexte Momente von Ambivalenz, Menschlichkeit und vor-ideologischer Symbolik zulässt.

Screenshots:































































Dienstag, 10. Februar 2026

Ein kalter Tagestrip nach Næstved im April 2014

 

Beim Krankenhaus in Næstved 
Ich habe schon mal geschrieben, dass der Tag, von dem hier schreibe, wohl der letzte wirklich kalte Frühlingstag 2014 war. 

Hier ein bisschen Kontext: 

Der März und der April in Skandinavien sind sehr unberechenbare Monate. Da kann es den einen Tag ein Tag voll Sonnenschein sein, am nächsten Tag Regen, und dann kann es für ein Paar Tage auch sogar schneien. Mein Pesach in Stockholm vor drei Jahren war ja auch ziemlich weiß deswegen. 

Wie ich hier schon oft erwähnt habe, so bin ich in der ersten Hälfte von 2014 sehr oft auf Tagestrips nach Næstved gegangen - mit der Mofa nach Nykøbing Falster, und dann mit dem Zug nach Næstved - und an den Tag war es auch wieder eine sehr spontane Entscheidung. 

Hier hinzufügen möchte ich auch, dass ich am vorherigen Herbst 2013 realisierte, dass ich mich nur am Leben fühle, wenn ich reise. Diese Tagestrips nach Næstved gaben mir dann wenigstens das Gefühl, unterwegs zu sein, und nicht immer an einen Ort gefesselt zu sein. 


Es war halt ein sehr nebliger Tag. Was auch eines der Gründe ist, weswegen ich mich daran so gut erinnere. 

Im Zug las ich "Das Tor", von Sahar Khalifa. 

Es war ein sehr nebliger Tag. Ich glaube auch, dass ich an den Sonntag auch der einzige im Zug war. Ich las "Das Tor" von Sahar Khalifa - das war ein Roman, den ich eigentlich im Jahr zuvor, kurz vor meiner ersten Reise nach Israel angefangen hatte, aber erst zu dem Zeitpunkt wieder angefangen hatte. 

In Næstved angekommen, hatte ich noch mehrere Stunden totzuschlagen, bis das Restaurant, wo ich immer Sushi hatte, öffnete, also ging ich einen längeren Spaziergang - allerdings in eine ganz andere Richtung als gewöhnlich. Statt in Richtung des Parks bei Susåen, ging ich in die Richtung des Krankenhauses, dass an dem nebligen Tag etwas berauschendes an sich hatte. Ich muss hier auch sagen, dass an dem Tag so gut wie keiner in der Stadt war. Es war, als ob die Stadt am schlafen war. Auch am Krankenhaus war nichts los. 

Ich setzte mich also auf einer Bank vor dem Krankenhaus, und habe da dann etwas auf meinem iPad rumgesurft. Damals funktionierte die Simcard in ihr noch, die lief im Frühling 2016 aus. Zudem habe ich da auch weiter "Das Tor" gelesen. 

Ich muss auch sagen, dass ich irgendwie sehr existentialistisch wurde und darüber nachdachte, wie sehr ich mich nach einen Neuanfang sehnte. 


Der Baum da hatte was an sich. 

Nach einer Weile bin ich dann weitergegangen - und es ging bergauf und bergab, und da war auch ein ziemlich großer Kiosk und ein Rema 1000 Supermarkt. Keine Ahnung warum ich mich gerade so auf die Details erinnere, aber ich erinnere mich halt daran. Und die Straße die ich folgte folgte auch die Bahngleise in Richtung Kopenhagen. Zu dem Zeitpunkt freute ich mich so sehr, im darauffolgenden Spätsommer nach Kopenhagen zu ziehen - allerdings war das mental immer noch sehr weit weg, auch weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob ich am Studium angenommen wurde. Das ist sehr seltsam, an das zurückzudenken. 

Dann bemerkte ich, wie die Zeit vergangen war, und machte mich dann auf dem Weg nach Susåen. 

Die späten Blüten beim Susåen. 

Ich hatte dann wieder eine entspannende Mahlzeit in dem Restaurant - dass es seit 2020 leider nicht mehr gibt. 

Als ich fertig war, machte ich mich dann wieder auf dem Weg zurück zum Bahnhof - ich kaufte dann wieder eine Ausgabe des Spiegels, wo ich ein peinliches Interview mit dem Selbsthasser und Bundist-Wannabe Daniel Cohn-Bendit las - und gerade das Detail weis ich wegen diesen Post von damals, gerade zwei Tage später verfasst. 

Warum gerade wieder ein Tag wie der in Erinnerung ist? Weil der sehr typisch für mich war, in den letzten 7 Monaten auf Lolland vor meinem Umzug nach Kopenhagen im Spätsommer 2014. Ich versuchte damals noch den Führerschein zu machen, hat nicht funktioniert und wird wohl nie etwas. Ich bin auch glücklich ohne Führerschein. Was mich allerdings an das mit dem Führerschein stört ist dass ich das Geld meiner Eltern damit vergeudet habe. Meine Tage waren auch sehr monoton. Frühstück war meist das Chop Suey aus dem Supermarkt, am Vormittag liefen auf Sat1 Wiederholungen von Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Hold, und am Nachmittag dann die Fortsetzung/Spin Off des letztgenannten Im Namen der Gerechtigkeit, und Abends dann Taff und Die Simpsons bei Prosieben, und dann ab 20 Uhr dann meist das was bei Comedy Central lief - das war bevor der Kanal mit Viva den Sendeplatz teilte, und dann am 1. Januar 2019 komplett übernahm, nachdem Viva am Tag zuvor den Sendebetrieb einstellte. Viva war auch oft Backgroundnoise für mich in der Zeit, und so blieb es bis zur Einstellung am 31/12 2018. 

Das Einzige, woran ich in der Zeit dachte, war die Reise nach Israel im Juli, und der Umzug. Alles zusammen mit der Hoffnung, dass ich zum Studium zugelassen wurde. 

Und an all das muss ich jetzt seit 2021 immer wieder denken, da ich wieder wie damals in einer Limbo bin. Wenigstens sehe ich jetzt endlich das Licht am Ende des Tunnels. 

Und ein Tag später war dann das hier in der Bild:

Ja, Helena Bonham-Carter als Bellatrix Lestrange an der ersten Bild Schlagzeile an dem Tag. Hier ein Link zum Fall von damals. 


Mittwoch, 4. Februar 2026

Das Spin Off, dass zum Ende des klassischen deutschen Scripted Reality wurde

 

Überraschend, dass dies wirklich von 2013-2017 lief, wenn man bedenkt dass es nach 2014 anders wurde im Fernsehen. 
Wie ihr wisst, finde ich dieses deutsche Phänomen von Scripted Reality, oder Asi TV, sehr faszinierend, und habe hier auf dem Blog schon mehrfach darüber geschrieben. 

Vor allem das Phänomen der Gerichtsshows, die seit 2022 wieder da sind, mit Barbara Salesch und Ulrich Wetzel - aber jetzt auf RTL statt Sat1. 

Die Shows Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Hold hielten sich bis 2012 und Anfang 2013, dann war es mit den Gerichtsshows im deutschen Fernsehen als solches zu Ende - obwohl diese Sendungen noch bis 2015 täglich wiederholt wurden. 

Dennoch war es nicht als solches das Ende - denn sieht ihr, beide bekamen Fortsetzungen. Richterin Barbara Salesch bekam Anwälte im Einsatz (wo Anwälte wie Bernd Römer und Ulrike Tasic Fälle lösten), und Richter Alexander Hold bekam Im Namen der Gerechtigkeit - Wir kämpfen für sie! Letzteres ist worüber ich hier fokussieren werde. 

Was "Im Namen der Gerechtigkeit" so interessant machte, war die Tatsache, dass Alexander Hold selbst hier in Erscheinung tretet, zusammen mit Anwälten aus seiner alten Show, wie Isabella Schulien (Kirkitadse), Stephan Lucas, Benita Brückner (Schrank), Alexander Stevens und  Christian Vorländer, sowie Konstance Korfsmeyer und Simone Dahlmann. 

Ich finde es wie ich schon vor Jahren in anderen Einträgen schrieb, so seltsam dass richtige Anwälte und Richter in solchen gescripteten Formaten mit sehr dramatischen Plot Twists und sehr schlechten Schauspiel mitwirken. 

Eines der Gründe weshalb ich dieses hier schreibe ist, weil ich vor kurzen auf Youtube auf Richter Alexander Holds 2000. Folge aus dem Herbst 2012 gestossen bin - und mir fiel wieder ein, wie diese Folge eine Art versteckte Pilotfolge zu Im Namen der Gerechtigkeit war. In der Folge ging es darum, wie Stephan Lucas seit Wochen Todesdrohungen bekam, und dann während eines Gerichtsverfahrens dann entführt wird - ja, ihr habt es richtig gelesen. Dann wird auf einmal sehr schnell ermittelt, und es war ein Zuhälter dessen Maschen er vorher enthüllt hatte der hinter der Entführung stand. Naja, sowas gab es halt nicht vorher - und wie gesagt, so war Lucas selbst einer der Staples von der Show die dann im Spin Off mitwirkten. 

Die erste Staffel lief im Mai 2013, und war schnell vergessen. Allerdings sieht man deutlich, dass die 5 Folgen dieser Staffel im sehr, sehr kalten Frühling desselben Jahres gedreht wurden. 

Im Herbst 2013 begann dann mit der zweiten Staffel dann das "Goldene Zeitalter" der Sendung, die dann mit der dritten Staffel - die das ganze Jahr 2014 über lief - ein sehr typisches Formular zeigte. 

Zum Beispiel sehen wir zu Anfang, wie irgendjemand ein sehr dramatisches Problem hat, sich dann verzweifelt an einen der Anwälte oder Hold selbst wendet - weil jeder anscheinend Zugang zu einem Anwalt hat - und er oder sie macht dann die grossen Nachforschungen, oft in eigener Hand ohne die Polizei vorher zu informieren. 

Auch mit von der Partie: Benita Brückner 

Und dann sind da die legendären Übergangssequenzen - damals aktuelles Stockfootage von München und Umgebung, untermalt von irgendeinen damals aktuellen Chartsong der 2013-2014 im Radio (wie zum Beispiel "Lifesaver" von Sunrise Avenue, "Love Me Again" von John Newman, "Radioactive" von Imagine Dragons, "Changing" von Sigma und Paloma Faith, "A Sky Full of Stars" von Coldplay, "Pompeii" von Bastille und "Royals" von Lorde - das letztgenannte hörte ich zudem zum ersten Mal in der Sendung im Herbst 2013) zu hören war. Gerade das - sowie die Mode - macht diese Sendung zu einen unfreiwilligen Relikt und Zeitkapsel in die Mitte der 2010´er Jahre, auch wenn man im Hintergrund zum Beispiel Poster von Filmen sieht die damals im Kino liefen. 

Und am Ende löst sich der Fall nach sehr dramatischen Twists und alles geht gut aus. 

Verraten wird jedoch nie weswegen da immer eine Kamera dabei ist, an die sich die Anwälte dann immer hinwenden. Das ist schon dramaturgisch seltsam, und niemand scheint sich darum zu kümmern. Oder wer filmt denn, wenn man die wahren Täter sieht, wie sie sich über ihre Pläne austauschen?

Wie gesagt, dass Phänomen Scripted Reality ist schon wirklich merkwürdig. 

Man nimmt richtige Anwälte oder Richter, erfindet dann eine fiktive Geschichte mit ebenso erfundenen Personen, und dreht das ganze dann mit Laiendarstellern. 

Und natürlich gab es dann hier und da eine Folge, die "Ripped off the Headlines" waren - sowie die eine Folge gegen Ende 2013 lief die dem Drama um Kay One und Bushido nachempfunden wurde. 

Diese Sendung war Teil meines Alltags vom Herbst 2013 bis zum Sommer 2014, wo ich dann ein Monat in Israel war. Irgendwann im frühen Sommer 2014 las ich auf dem Weg nach Hause im Zug aus Næstved im entweder Stern oder Spiegel über den NSU-Prozess - und welchen Namen sehe ich da? Stephan Lucas! Soll heißen, wenn er dann nicht im Fernsehen bei Im Namen der Gerechtigkeit die Welt zu retten versucht, vertretet er dann sonnst die Opfer des NSU in einen der größten Prozesse der deutschen Justiz in jüngerer Zeit. Das war so seltsam und bizarr, dass zu lesen. 

Ich muss zudem sagen, dass von den Anwälten, die hier auftraten, waren Benita Brückner und Alexander Stevens Diejenigen, die irgendwie Self Aware aufgetreten sind, als ob die eigentlich wüssten, wie lächerlich das ganze ist. Stevens selbst tauchte in einer Parodie auf Richter Alexander Hold bei Walulis sieht Fern auf, das sagt ja schon so einiges. 

Und jetzt in jüngerer Zeit ist Stevens wieder in den Medien präsent als Anwalt von Gil Ofarim. Tja. 

Als 2014 dann vorbei war, war diese Zeit des klassischen Asi TV und Scripted Reality dann vorbei. Ab Mitte 2015 wurde die Sendung dann zu verschiedenen Sendezeiten gesendet, aber noch bis 2017 produziert. 

Zwischen 2018 und 2021 wurde die Sendung allerdings noch am Vormittag bei Sat1 als Wiederholungsfiller gesendet. 

Und heute sieht man Isabella Schulien, Stephan Lucas, Simone Dahlmann und Benita Brückner bei Ulrich Wetzel. 

Arbeit haben die also noch. 

Oh, ich habe Geburtstag!

So, heute habe ich Geburtstag, und bin nun schöne 32 Jahre alt.  Eigentlich wollte ich heute einen Tagesausflug nach Malmö oder Helsingborg ...